Aktuelle Reise 2019/I - Beginn unten auf der Seite

Am 23. Mai sind wir gestartet, wie immer bisher mit der Fähre von Palma nach Barcelona. Die Reisenotizen nummeriere ich wie in den vorherigen Reiseberichten auch, zuoberst steht immer der neueste Artikel. 

 

 

 Hier unsere Reiseroute, über die nummerierten Orte gibt es ausführlichere Berichte:

FRANKREICH (24. bis 30. Mai) 1| Sète - 2| Avignon - 3| Villars les Dombes -4| Besancon 

 

DEUTSCHLAND (30. Mai bis 20. Juni) Bodensee - Memmingen - 5| Herrsching - 6| Augsburg - 7| Donauwörth -  Bamberg - 8| Erfurt - Weimar - Gera - Dresden - Bautzen - 9| Görlitz 

 

POLEN (20. Juni bis): 10| Jelenia Góra (Hirschberg) - 11| Wroclaw (Breslau) - 12| Czestochowa 

 13| Krakow (Krakau) - Tarnow - Lancut - Kazimierz Dolny - 14| Bialowieza - 15| Augustów

 

 Weiter geht es im Baltikum

 

15| Augustów

So nah an der Grenze zu Weissrussland funktionierte unser Internet Bialowieza nicht, und auch die Betreiberin des Campings dort lächelte nur verständnislos, als ich nach WiFi auf dem Gelände fragte. Von Movistar (Telefonica) in Spanien bekamen wir jeder eine Nachricht, dass eine SMS uns 1,21 € kostet, eine MMS 4,84 €, Internet 12,10 €/MB (!) und jeder Anruf nach Spanien 3,03 €/Min + 1,94 € für die Herstellung der Verbindung. So also sieht das Roaming aus, so bald man die Grenze der EU verlässt.

 

Aber soweit waren wir noch nicht, obwohl wir bedauerten kein Visum für Russland beantragt zu haben. Es hätte ermöglicht in die Provinz Kaliningrad einzureisen, das ehemalige Ostpreussen mit der Hauptstadt Königsberg, und von dort nach Litauen weiterzufahren. So wurde Augustów unsere letzte Station im Nordosten Polens der Kurort Augustów.

 

Auf dem Weg dorthin, nachdem wir Hajnowka passiert hatten, bestand die 685 nur noch aus Baustellen, und zwischen ihnen spürten Maggie und wir schmerzhaft deren Notwendigkeit im holter di polter über Schlaglöcher und altes Flickwerk im Asphalt. 

 

 

Durch kleine Dörfer fuhren wir, eines heisst Trześcianka und besteht ausschließlich aus Holzhäusern mit farbig bemalten Fensterläden. Auch an mehreren Holzkirchen kommen wir vorbei, angestrichen in Braun, Grün oder Blau. In manchen Dörfern gibt es zwei Kirchen, ich vermute eine katholische und eine orthodoxe. Leider können wir an keinem Punkt anhalten zum Fotografieren.

 

Im Dorf Zabludów zeigt der Kilometerzähler eine Schnapszahl an, Maggie ist in etwas mehr als drei Jahren schon 44.444 km gefahren.

 

Augustów hat 2 Möglichkeiten für Wohnmobile, an der Marina mit Restaurant und anderen Annehmlichkeiten oder den ruhigen Camping Necko auf der anderen Seite des Sees. Hier übernachten wir in Gesellschaft einiger Zelte und Wohnwagen, später kommen noch ein Womo aus Österreich und eines aus Finnland dazu. 

 

 

Augustów ist seit vielen Jahren einer der beliebtesten Kurorte Polens. An einem großen See gelegen soll das Wasser dort besonders heilsam sein. Auf einem langen Spaziergang kamen wir an Hotels mit Wellness- und Spa-Angeboten vorbei und an einem großen Sanatorium (heisst tatsächlich auch in Polen so). Wir begegneten zum ersten Mal in Polen Menschen mit Walking-Stöcken, vor allem ältere Frauen waren es. Die Terrassen der Restaurants und Cafés waren gut besucht, und in mehreren kleinen Parkanlagen lagen großzügige Kinderspielplätze. Elegante Paare mittleren Alters spazierten am Seeufer entlang und führten ihre teure Garderobe spazieren. Volle Parkplätze mit lokalen Autonummern ließen darauf schließen, dass auch die ambulante Angebote für Massagen etc. ihre Kundschaft finden.

Kurzum, es ging zu wie in deutschen Kurorten auch.

 

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In Augustów hieß es für uns vorläufig Abschied nehmen von Polen bis zur späteren Rückfahrt durch den Norden. Und für Gabriel bedeutete das die grobe Planung unserer Fahrt durch das Baltikum, beginnend mit Litauen.

 

14| Bialowieza

Unser nächstes Ziel ist der letzte Urwald Europas in einem grenzübergreifenden Naturschutzgebiet in Polen und Weissrussland. Auf der gesamten Strecke kam uns kein einziges Wohnmobil entgegen. Schon auf der Fahrt vermitteln die kleinen Bauerndörfer mit ihren alten Holzhäusern immer mehr den Eindruck, in Russland zu sein. Es geht über schmale Landstraßen mit viel Lastwagenverkehr und Seitenwind, was ich als Fahrerin nicht immer lustig fand. Im Ort Bialowieza verfehlten wir wegen der schmalen Auffahrt fast den Campingplatz Michala, aus dessen Rezeption eine alte Frau mit krummem Rücken kam, die freundlich lächelte und mich sofort auf deutsch ansprach. Zunächst war unsere Maggie das einzige Wohnmobil neben einigen Zelten und einem Wohnwagen, später kam noch eines aus Österreich dazu und ein Van aus Deutschland.

 

der Camping Michala ist ein langgezogenes Grundstück hinterm Wohnhaus der Betreiberin
der Camping Michala ist ein langgezogenes Grundstück hinterm Wohnhaus der Betreiberin

 

Das Dorf ist ganz auf den Nationalpark-Tourismus ausgerichtet. Wer ein Zimmer übrig hat vermietet es, und wer gar Zimmer mit eigenem Bad zur Verfügung stellt, schreibt dies in großen Lettern auf eine Tafel. Im Zentrum liegt ein Vier-Sterne-Hotel mit Spa und regionaler Küche im Restaurant, auf dem vollen Parkplatz sehen wir fast ausschließlich polnische Kennzeichen.

 

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Das Wahrzeichen des Nationalparks ist das Wisent (auch europäisches Bison genannt), und mit diesem Tier als Zeichnung, Holzrelief oder Skulptur wirbt fast jeder kommerzielle Betrieb im Ort. Im Nationalpark leben sie frei wie auch Wölfe, Rentiere u.a. Dazu gibt es ein Gehege, in dem die Besucher die Tiere unter halb-natürlichen Bedingungen sehen können. Oder auch nicht, wenn sie sich gerade im Unterholz oder wo auch immer verstecken. 

 

diese Lady (eine Elchkuh?) gefiel mir am besten. Ich hatte den Eindruck, sie hält uns alle für ziemlich blöd
diese Lady (eine Elchkuh?) gefiel mir am besten. Ich hatte den Eindruck, sie hält uns alle für ziemlich blöd

 

In der Tourist-Information hatte uns von ein Angestellter eine Karte mit verschiedenen Fahrradtouren verkauft. Der nette Mann in Uniform ermahnte mich in sehr gutem Deutsch, auf keinen Fall vom Weg abzukommen und schon gar nicht die Grenze zu Weissrussland zu überqueren. Nicht versehentlich und schon gar nicht mit Absicht! 

 

Wir fuhren insgesamt 30 km durch nicht enden wollenden Wald, und das war nur ein sehr kleiner Teil des Nationalparks. Ab und an luden überdachte Picknickplätze zu einer Rast ein, und manchmal lag ein umgeknickter Baum im Weg, um den herum wir das Fahrrad schieben mussten. So ist das im Urwald: Niemand räumt etwas aus dem Weg, die Natur muss für sich selbst sorgen.. Und kann das augenscheinlich sehr gut. Was wir Unterholz nennen, hat hier mehr als Mannesgröße. An einigen Stellen kann man auf erhöhten Holzwegen mit dicken Seilen an den Seiten in den Wald hineingehen und hat vielleicht das Glück, ein wildes Tier zu sehen. Das letzte Stück fuhren wir auf der Straße zurück, durch ein kleines Dorf, in dem an jedem der bescheidenen Holzhäuser ein Hinweis auf Zimmervermietung war. Aber keiner auf Badezimmer.

 

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  eine schöne Naturwiese zwischen den Dörfern

 

 

 

von Krakow über Tarnów, Lancut und Kazimierz Dolny nach Bialowieza

 

TARNÓW fuhren wir nur deshalb an, weil Freunde uns das Restaurant im Hotel auf dem Camping Pod Jabloniami empfohlen hatten. Und wir wurden nicht enttäuscht, weder vom Platz noch vom Essen. Ich hatte endlich mal wieder Fisch (eine Forelle) auf dem Teller, Gabriel eine Entenbrust, und beides war genauso gut wie die Vorspeisen.   Auf dem Platz muss man aufpassen, dass man nicht direkt unter einem der Apfelbäume steht, die Früchtchen fallen sonst knallend aufs Dach. Auf dem Platz lernten einen jungen Polen aus Deutschland kennen, der von noch besseren Restaurants im Städtchen sprach. Und davon, dass wir in Litauen gut auf unsere Sachen aufpassen sollen.

 

Stellplatz mit Hotel-Restaurant unterm Apfelbaum
Stellplatz mit Hotel-Restaurant unterm Apfelbaum

 

Die Altstadt von Tarnów wurde gerade großflächig und aufwändig restauriert, vom Straßenbelag bis zum Rathausturm, und war entsprechend schwierig zu begehen. Der ganze Aufwand ist aber ein Beweis dafür, dass der Tourismus in Polen immer mehr an Bedeutung gewinnt, und entsprechend groß sind die Investitionen mit Hilfe aus Brüssel.

 

 

 

 

LANCUT wird uns wohl vor allem wegen des Campingplatzes in Erinnerung bleiben. Man sieht ihm nicht nur an, dass das Betreiberpaar hier richtig Geld investiert hat, sondern vor allem, dass die beiden täglich mit Herz und Händen daran arbeiten. Überdachte Picknicktische (wichtig vor allem für Gäste mit Zelt), geschmackvoll arrangierte Blumenkübel, ein super sauberes Sanitärhaus mit Seifenspendern (!) an den Waschbecken und eine vorbildliche Entsorgungsstation sowie Strom und Wasser an den Parzellen, alles wird liebevoll gepflegt und instandgehalten. Auf anderen Plätzen knurrt man mitunter, wenn noch jemand dazukommt, hier freuten wir uns über jeden Neuzugang in der Hoffnung, dass genug Geld reinkommt um die im vergangenen Jahr eröffnete Anlage zu erhalten.

 

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Der Ort selbst ist ganz hübsch, erschien mir irgendwie lässiger, offener als andere Städtchen in Polen, ohne viel mehr zu bieten als das größte Schloss des Landes. Dessen Kutschenmuseum wir wegen der Restaurierungsarbeiten leider nicht besichtigen konnten. 

 

Dafür sind wir mal wieder ausgiebiger mit dem Rad gefahren. An einem Tag sehr schön durch Feld und Flur, am anderen unter zuviel Sonne auf zuviel Asphalt. Und wir haben ein nettes Ehepaar kennengelernt, sie Polin und er Schweizer, mit denen wir zusammen im Ort ein gutes und preiswertes Mittagsmenü aßen und den letzten Abend gemeinsam vor unserer Hütte bei einem Glas Wein ausklingen ließen. 

 

das Schloss mit Synagoge und Orangerie liegt in einem großen Park
das Schloss mit Synagoge und Orangerie liegt in einem großen Park
ein schöner Weg fürs Fahrrad, teilweise parallel zu den Eisenbahnschienen
ein schöner Weg fürs Fahrrad, teilweise parallel zu den Eisenbahnschienen

 

 

 

Nach den heißen und trotzdem schönen Tagen in Lancut hatten wir eigentlich eine Nacht auf dem gemischten Parkplatz in LUBLIN  verbringen wollen, aber die Innenstadt war in Bauarbeiten versunken. Wiir hatten wieder einmal das Vergnügen, uns aus allen Richtungen dem Ziel zu nähern ohne jemals wirklich anzukommen. Weil wir bei all der Kurverei durch die Stadt nichts sahen, was uns zum Bleiben verlockte, steuerten wir schließlich lieber einen Campingplatz in Kazimierz Dolny an, in ca. 50 km Entfernung. Aber dieser Tag war nicht unserer, an entscheidender Stelle wies auch die Landstraße mehr als nur eine Baustelle auf, allerdings ohne Umleitung. Stattdessen war der Zugang abgesperrt, und weder das Navi noch wir wussten, wie es weitergeht. Nachdem wir bei einem Wendemanöver auf einer holprigen und steinigen Sandstraße den Fahrradträger beschädigt hatten (Gottseidank nur ein bisschen), gaben wir einfach einen in der Nähe gelegenen Ort ein und siehe da, so landeten wir endlich in KAZIMIERZ DOLNY.

 

Und fuhren an der Zufahrt zum Campingplatz vorbei. Ein Schild mit der Angabe von höchstens 2,5 t hinderte  uns daran. 3,5 t zu ignorieren haben wir ja schon gelernt, aber das war uns denn doch zu viel bzw. zu wenig. Irgendwann blieb uns nichts anderes übrig als es zu riskieren, und es klappte. Meine Bemerkung über diese Beschränkung quittierte die freundliche junge Frau auf der Parkbank, die als Rezeption diente, mit einem lachenden Achselzucken. Auf dem Platz fühlten wahrscheinlich nicht nur wir uns wie auf dem Präsentierteller, weshalb ich kein einziges Foto davon gemacht habe. 

 

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13| Krakow/Krakau

In Krakow hatten wir ein wundervolles Erlebnis im Bus. Wir hatten damit gerechnet, dass wir wie in Wroclaw/Breslau mit der Karte zahlen können, aber weit gefehlt. Wie in Deutschland und anderen Ländern auch ist der Öffentliche Nahverkehr eine lokale Angelegenheit. An der Bushaltestelle Nähe Campingplatz in Richtung Stadt war ein Automat angebracht, der unseren 10-Zloty-Schein schluckte und brav Münzen als Wechselgeld herausgab.

 

Nicht so auf der Rückfahrt. Kein Automat an der Haltestelle, also rein in den vollen Bus ohne Ticket. Der kleine Kasten dort verwirrte uns, was eine Mitfahrerin bemerkte und uns half von der Spracheinstellung bis hin zum richtigen Ticket. Aber dann war Schluß, weil weder Karten- noch Geldscheinzahlung möglich war. Der Apparat schluckte Münzen, gab aber keine wieder heraus, sie mussten abgezählt sein. Hatten wir aber nicht passend im Geldbeutel. Verlegenes Hin und Her, bis eine junge Frau uns 2 Tickets schenkte! Sie und ihr Mann wollten partout kein Geld annehmen. Eine andere Polin bot uns 2 Münzen an für unseren 10er Schein, damit wir für weitere Fahrten gewappnet sind. 

 

Später sahen wir das junge polnische Paar auf unserem Campingplatz war, mit Motorrad und Zelt, und ich konnte ihnen aus unserem Vorrat eine Flasche spanischen Rotwein zukommen lassen, was sie lachend geschehen ließen.

 

Der Campingplatz (Kemping auf polnisch) Clepardia liegt ca. 4 km vom Zentrum entfernt, nah genug für die Fahrt mit dem Bus. Er ist ruhig und wir hatten einen tollen Platz im Vollschatten, gaaanz wichtig in diesen Tagen! Hier sahen wir zwei Extreme des mobilen Reisens. Einen riesigen knallroten Bus von Rotel-Tours, wo die Reisenden im Bus schlafen, aus dem Bus die Küche ziehen und vor dem Bus zusammen essen. Und neben uns 3 junge Männer, die aus ihrem kleinen Pkw 2 Hängematten holten und unter Anleitung eines Angestellten zwischen Bäume spannten. 2 schliefen in den Matten, der dritte darunter. Uns war klar: Maggie, du bist die beste!

 

 

hinter jedem dieser kleinen Fenster verbirgt sich eine Bettnische, unten links Küche und Vorräte
hinter jedem dieser kleinen Fenster verbirgt sich eine Bettnische, unten links Küche und Vorräte

 

Die Buslinien 164 und 169 fahren in die Stadt, wir stiegen an der Haltestelle Jubilat aus. Von dort ist es ein kurzer Weg zur Burg Wawel, fast ein kleines, in sich geschlossenes Viertel mit Schloss und Kirche. Gebaut wurde auf hohen Mauern über dem Fluss Wisla (Weichsel). Imponiert hat mir die Grö0e des Komplexes und die Mischung verschiedener Baustile vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit. Der Innenhof soll nach italienischem Vorbild gestaltet sein und weist alte Mauerreste auf, die nur noch den ehemaligen Grundriss kennzeichnen. 

 

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Von der Burg Wawel aus gelangt man schnell in die Altstadt. Auch in Krakau heißt der zentrale Platz Rynek (Ring) und zieht sich um das alte Rathaus herum. Wäre es uns nicht von einem Deutschen auf dem Campingplatz in Czestochowa empfohlen worden (Dankeschön Herr Unbekannt!), wir hätten den Eingang zum Untergeschoss übersehen. Dort befindet sich ein unterirdisches archäologisches Museum der modernen Art. Zwischen den uralten Mauern geht es multimediamäßig zu mit Videos, Nebelshow und vielsprachigen Erklärungen auf Flachbildschirmen zum selbsteinstellen. Und Mann darf ungehindert mit dem Hammer auf dem Meißel rumhauen. Ding Dong - Ding Dong schallt es durch die Hallen. Die niedrige Temperatur war nicht das Wichtigste, half aber sehr bei der Konzentration. 

 

 Die alte Universität von Krakau ist in ganz Europa beliebt für mindestens ein Erasmus-Semester, und das merkt man an der Vielfalt der Sprachen in den Straßen und an den unzähligen Lokalen für Studenten. Besonders gefiel uns der Grüngürtel um die Altstadt herum mit Müßiggängern und Menschen auf dem Arbeitsweg oder zu anderen Terminen, dazu jede Menge Radfahrer. Und immer wieder kleben Terrassenlokale an alten Mauern. In einem Lokal aßen wir und fühlten uns geneppt mit dem Hinweis auf der Rechnung, dass der Service nicht eingeschlossen sei. Was nicht heißt, das wir nicht gerne Trinkgeld geben, wenn wir zufrieden sind mit dem Service, und besonders gern in einem Land mit niedrigem Lohnniveau. 

 

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zum Abschluss alte und neue Türme vor blauem Himmel - Anklicken zum Vergrößern

12| Czestochowa/Tschenstochau

Auf dem Weg nach Kraków/Krakau machten wir in Czestochowa Station ohne zu ahnen, worauf wir überzeugte Atheisten uns da einlassen. Czestochowa mit seiner schwarzen Madonna gehört unter den katholischen Wallfahrtsorten Europas in eine Kategorie mit Lourdes in Frankreich und Fatima in Portugal, also an die Spitze. Jedes Jahr zieht es vor allem im Sommer 4 Mio Pilger in die Stadt, die beiden Parkplätze zwischen unserem Campingplatz und dem Kloster Jasna Góra waren in den 2 Tagen unseres Aufenthaltes rappelvoll mit Bussen aus allen vier Himmelsrichtungen.  

 

Polens Nachbarn schielten schon immer begehrlich auf das Land und fielen abwechselnd ein, um es ganz oder teilweise in Besitz zu nehmen. 1655 war die Belagerung durch die Schweden besonders schlimm, aber der Klosterberg Jasna Góra hielt den Angriffen stand. Dieser großartige Erfolg würde aber nicht den tapferen Männern zugeschrieben, die gegenüber den Schweden in verschwindender Minderheit kämpften und für die Verteidigung ihr Leben riskierten, sondern der Marienfigur des Klosters. Seitdem ist die sogenannte Schwarze Madonna mit Strichen wie Narben im Gesicht so etwas wie die Königin Polens und ein Symbol für die Einheit des Landes.

 

Auch unser Campingplatz "Olenka" bot eine Rezeptionistin, die bei unserer Ankunft sofort und mit Begeisterung  ihre Spanischkenntnisse von vor 22 Jahren aktivierte und versuchte mit Gabriel plaudern. Ich weiß nicht ob es daran lag, dass sie uns den Schlüssel für den Waschmaschinenraum aushändigte und ermunterte, so viel zu waschen wie wir wollen. Drei Maschinen voll waren es dann und das erste Mal, dass wir Leinen spannten zwischen Maggie und einem Zaunpfosten, auf denen die Wäsche bei Wind und Temperaturen um 35 °C ruckzuck trocknete.

 

 

Die meiste Zeit hatten wir einen großen Teil des Platzes für uns allein, jedenfalls nachdem die Gruppea aus13 holländischen Wohnmobilen ihn verlassen hatte. Unter ihnen eine Frau, die mit ihrem elektrischen Rollstuhl gut gelaunt von einem Womo zum anderen flitzte. Bis nach und nach neue Nachbarn eintrudelten, hätten wir uns in diversen Sanitärhäusern tummeln können, aber wir bevorzugen wann immer möglich Maggies Dusche und Toilette. 

 

 

Trotz der sengenden Hitze wollte ich mir die Klosteranlage anschauen, allein wegen der Architektur, aber der ganze Rummel drumherum schreckte mich dann doch ab. Außer Santiago de Compostela hatte ich ja noch nie einen Wallfahrtsort gesehen, und dort ging es nicht so jahrmarktmäßig zu. Eine Bude nach der anderen bot religiöse Souvenirs an, rund um die Parkplätze. Am Eingang zur Anlage mahnte ein mehrsprachiges Schild: "Jasna Góra ist ein heiliger Ort. Kommen Sie als Pilger". Was soll mir das sagen? Dass ich als normale Touristin nicht willkommen bin? 

 

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Die sympathische Angestellte in der Tourist-Information gab sich die größte Mühe, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt unabhängig von der katholischen Religion schmackhaft zu machen. Aber bei der Hitze waren wir zu kaum mehr in der Lage als einmal die Hauptstraße rauf und runter zu gehen. Die bot jede Menge Restaurants von Kebab über Pizza bis Sushi einheimische Küche sowie steinerne Tore, hinter denen sich entweder ein großer Hinterhof mit Werkstätten, Geschäften oder Bars/Restaurants verbarg oder eine in der Einfahrt endende Seitenstraße. Endlich hatten wir auch die Gelegenheit, in einem kleinen polnischen Supermarkt einzukaufen und staunten wieder einmal über die niedrigen Preise. 

 

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11| Wroclaw (Breslau)

Von der Grenze in Görlitz bis hin zu Wroclaw/Breslau haben wir Aldi und Lidl, Leroy Merlin und Carrefour und in der Stadt auch Kaufland gesehen. Nicht zu vergessen Rossmann und in der City von Wroclaw sogar Fielmann. Das kann nur bedeutet, dass das Land sich entwickelt und die großen Marken hier einen Markt sehen.

 

Mit Englisch kamen wir bisher überall gut zurecht, und unabhängig von vorhandenen Sprachkenntnissen haben wir die Polen als sehr freundlich und hilfsbereit kennengelernt.

 

Manchmal fühlen wir uns wie auf Mallorca, weil der überwiegende Teil der Touristen aus Deutschland kommt. Auf dem Campingplatz in Wroclaw bilden Polen eine winzige Minderheit, daneben stehen hier einige wenige Holländer, ein Van aus Dänemark, 2 Womos aus Österreich und 1 aus der Schweiz. Am späten Sonntagabend kam noch eine Gruppe von 5 Fahrzeugen mit französischem Kennzeichen dazu. Außer Maggie bislang weit und breit kein spanisches Wohnmobil. Und im touristischen Zentrum der Stadt begegnete uns eine Gruppe nach der anderen mit deutschsprachigem Guide.

 

Camping 117 liegt in einem Randbezirk von Wroclaw und hielt für Gabriel eine höchst erfreuliche Überraschung bereit. Die Rezeptionistin, eine junge Studentin, sprach fließend Spanisch! Der Platz liegt am Olympiastadion und ist sehr groß. Wir hatten das Glück einer alten Linde, die uns jeden Morgen mit ihren von Blüten überschäumenden Zweigen zuwinkte. Ein Eisstand (sehr leckeres Joghurteis), ein kleines Café (endlich wieder guter Kaffee für meinen Spanier und guter Kuchen für mich) und eine Art Biergarten finden sich draußen vor dem Tor. Auch die Straßenbahnhaltestelle für die Fahrt ins Zentrum liegt direkt vor der Nase. Obwohl die Rezeptionistin auf die Frage nach Fahrradwegen nur unwissend die Schultern hob, bietet die Lage des Platzes auch das. Zum einen im weitläufigen Park gleich nebenan, zum anderen am Uferweg entlang der Oder.

 

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Schon in der näheren Umgebung des Campingplatzes hat Wroclaw einiges zu bieten. Der japanische Garten in 15 bis 20 Gehminuten ist groß angelegt und hat sogar ein Teehaus, allerdings abgesperrt und innen leer. In unmittelbarer Nähe des Gartens liegt die Jahrhunderthalle des Architekten Max Berg (leider z.Zt. geschlossen), dessen Wohnhaus wir zufällig beim Spazierenradeln entdeckten. Mit einer Tafel neben dem Eingangstor auf polnisch und deutsch, wie erfreulicherweise sehr viele Hinweistafeln und Erklärungen dank der Zusammenarbeit beider Staaten im Bereich Kultur zweisprachig (und mehr) sind.

Am besten gefielen mir diesbezüglich die Automaten in der Straßenbahn. Man kann wählen zwischen Polnisch, Deutsch und Englisch und wird dann sicher durch die Zahlung geführt, die NUR per Kreditkarte erfolgen kann. Und der Automat spuckt KEIN Ticket aus, ein hilfsbereiter junger Mann erklärte in mein erstauntes Gesicht: The tickets are in your card. Zum Schluss erscheint sogar ein Gute Reise!

 

Aber zurück zur näheren Umgebung des Campingplatzes. Zwischen dem japanischen Garten und der Jahrhunderthalle breitet sich ein kreisförmiges Wasserbecken aus, umschlossen von einem Rundgang unter einer Pergola. Die Pergola spendet nicht nur Schatten, sondern auch den Namen für ein Spektakel, dass jeden Abend von Mai bis Oktober viele Zuschauer anlockt. Vor allem verliebte Paare genießen die romantische Atmosphäre, wenn zu in die Höhe schießenden farbig beleuchteten Wasserfontänen aus vielen Lautsprechern Klassikmusik erklingt. Gratis und franko zur vollen Abendstunde.

 

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Mit der Straßenbahnlinie 17 (79 geht auch) sind wir in die Stadt gefahren und nach Gefühl ausgestiegen, als wir einen hohen Kirchturm sahen. Gabriels Gefühl trog nicht, von dieser Haltestelle aus spazierten wir am Botanischen Garten vorbei, machten einen Abstecher in die Markthalle (in der u.a. spanische Spezialitäten angeboten wurden) und näherten uns schließlich dem Dom von hinten. 

 

Rückansicht des Doms
Rückansicht des Doms

 

Von seiner Vorderseite aus geht eine Fußgängerstraße bis über die Brücke zur Dominsel. Uns fällt auf, wie aufwändig die Gebäude in dieser Straße restauriert und gepflegt sind, die ausschließlich katholische Einrichtungen wie Priesterseminar oder Caritas beherbergen. Hier scheint es nicht an Geld zu mangeln. Am Ende der Straße mit sorgfältig gestutztem Baumbestand führt die Dombrücke zur gleichnamigen Insel, wobei es sich wie auch bei der Sandinsel schon lange nicht mehr um eine von allen Seiten von Wasser umschlossene Insel handelt.

 

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Beeindruckend ist der Rynek, auf deutsch Ring, wie der Marktplatz in Wroclaw heißt. Ein großes Rechteck, das sich um das alte Rathaus und Wohngebäude herumzieht und den vitalen Mittelpunkt der Stadt bildet mit einer Unmenge an Restaurants und Bars. Hier aßen wir unsere ersten Pierogi (Piroggen), Teigtaschen aus dem Backofen oder Kochtopf, die mit allem möglichen gefüllt werden, während Griechen einen Umzug veranstalteten, Kinder aus Wassereimern Seifenblasen zauberten und eine Bettlerfamilie die Runde von Restaurant zu Restaurant drehte. 

 

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Wieder mal war es der pure Zufall, der uns am Samstagabend-Vergnügen junger Polen teilnehmen ließ. Verwirrt durch einen Wasserlauf parallel zur Oder radelten wir in die falsche Richtung und landeten in einer gesunden Mischung aus Biergarten, Beach-Club, Sportanlage und Kinderspielplatz. Wir waren die absoluten Oldies dort, aber nicht weniger vergnügt. Auf dem Hinweg schon fielen uns Paare und Gruppen Jugendlicher auf, die ihren Grill mitschleppten samt Bier und Essbarem und sich einen Platz fürs Picknick am Flussufer suchten. Vielleicht waren sie nach Mitternacht in allen möglichen Clubs zu finden, Wroclaw soll ein reges Nachtleben haben.

 

abends an der Oder - Anklicken zum Vergrößern 

 

ein Sammelsurium zum Schluss - Anklicken zum Vergrößern

10| Jelenia Góra (Hirschberg)

Unsere Maggie wiegt 3,850 t und hat somit 350 kg Übergewicht, was sie in Polen in eine Kategorie stellt mit den Lastern bis 12 t. Wir brauchten also eine sogenannte viaTOLL, das ist ein kleiner Apparat, über den die Maut-Gebühren abgebucht werden. Er wird innen an der Frontscheibe angebracht und ermöglicht es sich frei zu bewegen, ohne an Mautstellen anhalten zu müssen. Bekommen haben wir das Teil an der 1. BP-Tankstelle an der Autobahn in Richtung Wroclaw (Breslau) bei einem freundlichen jungen Mann, der trotz Schlange vor seinem Schalter nicht die Geduld verlor und ausgezeichnet Deutsch spricht. 120 PLN (30 €) bezahlt man für das Kästchen und bekommt das Geld bei Abgabe wieder zurück. Für geschätzte 1.200 km, die wir in Polen vielleicht zurücklegen werden, haben wir 240 PLN (60 €) bezahlt. Bei weniger gefahrenen Kilometern bekommen wir Geld zurück, falls es mehr wird, können wir über eine App aufladen. 

Ausweis- und Fahrzeugpapiere in der Tankstelle nicht vergessen!

 

Von Zgorzelec (Görlitz) nach Jelenia Góra wurde die Landschaft immer schöner. Niederschlesien ist sanft gewellt mit viel Wald und weiten Feldern, auf denen man vereinzelte Baumgruppen stehengelassen hat. Nicht alle sind bewirtschaftet. Wir kamen an einigen alten Gutshöfen vorbei, manche verfallen, ein anderer, eher ein Schloss, restauriert und wohl in ein Hotel verwandelt (wenn ich es im Vorbeifahren richtig gesehen habe). Im sogenannten Hirschbergtal, auch Tal der Schlösser genannt, sind in den vergangenen Jahren einige solcher Hotels eröffnet worden, z.T. unter deutscher Leitung, und bieten ihren Gästen einen gehobenen Standard. 

 

Unser Campingplatz (Camping 130, die meisten Plätze in Polen sind nummerier), lag 15 bis 20 Gehminuten vom Zentrum entfernt am Rand eines Parks. Im Preis von 16,40 € war Ver- und Entsorgung einschließlich 24 Std. From inbegriffen, die Parzelle war groß auf festem Gras. Zum Campingplatz gehört eine Bar mit überdachter Terrasse, und über einen Parkplatz gelangt man zu einem großen Supermarkt.

 

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Der Weg in die Stadt führte auf zum Teil kaputtem Gehsteig vorbei an restaurierten oder vernachlässigten alten Häusern, Neubauten aus der kommunistischen Zeit oder auch danach. Touristisches Highlight ist der große Marktplatz mit Laubengängen in allen Häuserzeilen rundherum. Das ganze Ensemble wurde von 1959 bis 1969 nach altem Muster neu aufgebaut, was sehr gut gelungen ist. Natürlich ist nach 50-60 Jahren wieder ein Anstrich oder eine Verbesserung an den Fassaden notwenig, und wo das bereits geschehen ist, freut sich das Auge. Auch an den Skulpturen, die auf dem Markplatz und  in der großen Einkaufsstraße mit Fußgängerzone aufgestellt wurden.

Auf dem Platz war am Donnerstagmittag viel los und die Restaurants gut besucht. Wir aßen in einer Pizzeria und zahlten für einen sehr guten Salat (mit Melone und hauchdünnem Bacon), eine passable Calzone, Bier und Radler umgerechnet 12,40 €. 

 

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9| Görlitz

Unsere unvorbereitete  Art zu reisen ist immer wieder für eine Überraschung gut. Von Dresden aus geht es in Richtung Polen und am besten bei Görlitz über die Grenze, so weit so gut, das wussten auch wir. Nicht aber, dass Görlitz eine geteilte Stadt ist. Die Neiße trennt hier den deutschen Teil der Stadt vom polnischen (Zgorzelec), der vor dem Krieg die sogenannte Oststadt von Görlitz bildete. Seit 1998 haben sich beide Städte wieder halbwegs vereint und zur gemeinsamen Europastadt erklärt. 2004 wurde die 1945 völlig zerstörte Altstadtbrücke über die Lausitzer Neiße neu errichtet als Fußgängerbrücke. 

 

Natürlich haben auch wir sie ehrfürchtig abgeschritten und sofort ist uns der Unterschied aufgefallen. Das deutsche Görlitz verfügt mangels Bombardierung im 2. Weltkrieg über vollständig erhaltene Stadtviertel im Jugendstil oder Gründerzeitstil und vor allem über die historische Altstadt, die gerade vollständig restauriert wird. Weshalb massenweise Barrieren und Absperrungen dieser Tage vielerorts die gute Fotosicht verhindern. Das größte Werk scheint aber schon getan, und das Ergebnis kann sich sehenlassen. Wir fanden die Altstadt einfach wunderschön.

 

Blick von der Altstadtbrücke links nach Görlitz und nach Zgorzelec am rechten Ufer, zu beiden Seiten Restaurants mit Blick auf die Lausitzer Neiße

 

Wir sind nicht weiter in die Stadt Zgorzelec eingedrungen, die Mittagshitze war zu brütend und die Sehnsucht nach dem Biergarten in der Nähe des Stellplatzes zu groß. Was uns auffiel waren drei unübersehbare Hinweise auf Zigaretten, die müssen in Polen wohl billiger sein. Auf einer Anzeigentafel stand auch das Wort Alkohol, einfach so, ohne Spezifizierung oder Preisangabe.

 

Zgorzelec wenn man von der Altstadtbrücke kommt

 

Görliwood: Weil in Görlitz ganze Straßenzüge oder Häuserensembles, Plätze, Kirchen und Amtsgebäude aller möglichen Epochen komplett erhalten sind, wurden hier schon zu DDR-UZeiten und werden heute immer noch viele Filme gedreht, die in der Vergangenheit spielen. Ein paar alte Autos auf das Kopfsteinpflaster gestellt, und schon ist die filmreife Kulisse fertig. Vereinfacht gesagt. 

 

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Heute mal nicht am Anfang, sondern zu guter Letzt unser Stellplatz. Wir wollten möglichst zentrumsnah sein und haben deshalb auf dem Gelände von Caravaning Hoke übernachtet für 8 €. Die Fahrzeuge stehen kreuz und quer um den alten Hof herum, aber das störte uns nicht, wir wollten uns ja die Stadt anschauen. Der Betreiber war sehr freundlich und hilfsbereit, hat beim Rangieren geholfen und Tipps für die Weiterreise nach Polen gegeben. In einer Viertelstunde ist man zu Fuß in der Altstadt, eine gute Straßenbahnanbindung gibt es auch.

 

Im Biergarten des Restaurants Zum gebratenen Storch ein paar hundert Meter stadteinwärts vom Stellplatz, neben dem Zoo, haben wir gute und reichliche böhmische Küche genossen einschließlich tschechischem Bier und Schnaps, wurden schnell und freundlich bedient und gefragt, ob wir den Rest mitnehmen wollen. Auf dem Dach lebt ein Storch, der bestimmt nicht auf der Speisekarte enden wird. Es gibt sogar eine Storchen-Ausstellung im Vorraum zum Restaurant.

 

 

 

 

Von Erfurt über Weimar, Gera und Dresden nach Bautzen

Zur Erinnerung: Wir wollen in den Osten, nach Polen und dann ins Baltikum. Von Erfurt aus ging es weiter über Weimar, Gera, Dresden und Bautzen. Bis auf Gera blieben wir jeweils nur eine Nacht, mit tagsüber meist über 30 Grad. Da habe ich nicht viel zu erzählen und die Fotos sind nur mit dem Handy geknipst. "Nur" ist natürlich relativ, manche Handys machen bessere Bilder als viele Kameras, nur meines eben noch nicht. 

 

WEIMAR ist und bleibt DIE Goethestadt, das ist nicht zu übersehen. Auch mit Schiller wird viel geworben, obwohl er nur seine letzten drei Lebensjahre in der Stadt gelebt hat. Irritiert hat mich eine Tafel an einer Mauer mit dem Hinweis, dass Hans Christian tAndersen ein paar Male in Weimar war. Keine Ahnung, warum das wichtig ist. Das Stadtbild mit seinen klassizistischen Bauten und großen Plätzen im Zentrum ist imposanter als in Erfurt, trotzdem fanden wir es dort ansprechender. Im Bauhaus-Jahr 2019 (100jähriges Jubiläum) gibt es auch hier jede Menge Ausstellungen, genauso wie in Erfurt und Gera. Bestimmt sind sie lohnenswert, aber ich hatte den Kopf nicht frei dafür. Man muss auch nicht alles sehen.

 

Wir parkten auf dem dafür vorgesehenen gebührenpflichtigen, großen Parkplatz mit Ver- und Entsorgungsanlage, der völlig okay ist. Selbst der Lärm vom Jahrmarkt nebenan verebbte um 22.30 Uhr. 

 

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GERA hat uns positiv überrascht, vor allem der privat geführte Stellplatz Wohnmobilhafen am Gessenpark. Allerdings hatten wir auch die beste Eckparzelle, riesig und mit Grün an 2 Seiten. Aber auch ohne diesen Zufall waren wir sehr angetan von der Professionalität und Sauberkeit der Anlage.

 

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Sehr gut ist die Anbindung an Radwege in alle möglichen Himmelsrichtungen, was wir am 2. Tag bei kühlerem Wetter weidlich genutzt haben. In der Stadt sind neben den typischen DDR-Gebäuden viele Bauten des Bauhaus-Architekten Thilo Schoder zu sehen und auch riesige  Villen aus der Zeit des industriellen Wohlstands. Uns gefiel diese Mischung in der Stadt ebenso wie die verschiedenen Radwege in die Umgebung.

 

Witziges aufgeschnappt in der Stadt - Anklicken zum Vergrößern

 

Schnappschüsse von Radtouren in die Umgebung - Anklicken zum Vergrößern 

 

Ich glaube zu DRESDEN würde ich auch bei einem längeren Aufenthalt wenig schreiben und zeigen können, was nicht schon hinlänglich bekannt ist. Wir waren schon das 2. Mal hier und stellten uns diesmal auf den Stellplatz an der Wiesentorstraße. Dort ist es eng und schattig und meistens voll, trotzdem gefiel es uns besser als beim letzten Mal an der Cityherberge. Wir standen in 1. Linie, die Aussicht war nicht zu übertreffen, und vor allem kamen wir auf die gute Idee, uns die Neustadt auf dieser Seite der Elbe anzusehen. Absolut lohnenswert und voller Leben, zumal auch hier einige Teile schon ziemlich alt sind. 

 

was vor dem Stellplatz liegt, ist nicht zu übertreffen

 

Bilder aus der Neustadt - Anklicken zum Vergrößern

 

Mit BAUTZEN hatte ich bisher nur den sogenannten Stasi-Knast verbunden. Dass es sich um eine sehr alte Stadt mit 40.000 Einwohnern handelt, die viel mehr zu bieten hat als ihre ehemalige Sonderstellung für die Stasi, hat uns beide überrascht. Nicht nur der historische Stadtkern, auch die Einkaufsstraße gefiel uns sehr. Wir standen auf dem kleinen kostenlosen Stellplatz an der Schliebenstraße. Wenn die vier Plätze belegt sind, ist das Parken für nicht allzu große Wohnmobile auf dem übrigen Parkplatz kein Problem. 

 

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8| Erfurt

Heute beginne ich mit der Zusammenfassung: Wir sind entzückt von Erfurt! Gabriel meint sogar, dass dies vielleicht eine der schönsten Städte ist, die er bisher in Deutschland kennengelernt hat. 

 

Auch der Stellplatz am Rottenbacher Weg gefiel uns, zumal wir einen Eckplatz hatten mit Grün vor der Haustür. Der Platz wird geführt, gewartet und per Video beobachtet von Herrn Trautmann, der sein Büro in einem Einfamilienhaus in ca. 100 m Entfernung hat und dort umgeben von großen Flachbildschirmen den Überblick und die Kontrolle behält. Der Mann ist ein Original mit trockenem Humor, dabei offen, hilfsbereit und freundlich. Im Keller des Hauses bietet er eine Sauna, Duschen und Toiletten an sowie Waschmaschine und Trockner, die uns nach drei Wochen gerade recht kamen. Unermüdlich hat er Jetons nachgefüllt und trotzdem blieb der Preis gleich. Nach 2x Waschmaschine (9 kg) und 2x Trockner (10 kg) sind wir gewappnet für die nächsten Wochen.

 

Die Straßenbahnhaltestelle für einen Besuch der Stadt ist ganz nah, ebenso ein Kaufland, Bäckerei und Fleischer. Auf dem Platz darf gegrillt werden.

 

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Mit der Straßenbahn fuhren wir an zwei Tagen in die Innenstadt, Erfurt hat einen gut erhaltenen alten Stadtkern, der von den Kriegsbomben weitgehend verschont geblieben ist. Und neben dem notwendigen Lieferverkehr heute nur zugänglich ist für Straßenbahnen, Radfahrer und Fussgänger. Welch ein Genuss, durch eine so große Fußgängerzone zu gehen und sich in Ruhe an schönen Fassaden, Skulpturen oder Wasserarmen zu weiden. 

 

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Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehört die Krämerbrücke. Das Besondere an ihr ist, dass sie kaum als solche erkennbar ist. Die Brücke ist seit mehr als einem halben Jahrtausend zu beiden Seiten mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut, dazwischen führt eine Fußgängerstraße über die Gera. Die aber von der Brücke aus gar nicht sehen kann. Das alljährliche Krämerbrückenfest war auch der Grund, weshalb wir nicht länger auf dem Platz bleiben konnten, der am Wochenende bis auf die letzte Parzelle reserviert war.

 

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Außer dem Dom stehen im Zentrum noch andere große Kirchen. Einzig die Barfüßerkirche ist bei einem Bombenangriff 1944 schwer zerstört worden und wie andere Kirchengebäude auch (z.B. in Berlin und Hamburg) nur an den Wundrändern versorgt worden. Sie dient als Mahnmal, aktuell aber auch als Kulisse für Theaterstücke oder andere kulturelle Veranstaltungen.

 

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Manche Städte mit 2 oder 3 Kanälen lassen eine Gondel zu Wasser und nennen den Bezirk Klein-Venedig, wie z.B. Aveiro in Portugal oder Bamberg in Bayern. Zu Fuß und mit dem Rad haben wir in Erfurt so viele Wasserläufe  überquert oder sind an ihnen entlanggefahren, dass wir uns nicht um Art oder Namen geschert haben. Sie plätschern so selbstverständlich durchs Zentrum und anliegende Grünanlagen, und niemand schlachtet sie als einen Abklatsch von Venedig aus. Das ist auch gar nicht notwenig, sie sind auch so schön anzusehen und werden jeder auf seine Art genutzt - oder auch nicht. 

 

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BAMBERG ist so großartig, so alt, so spektakulär, so oft festgehalten in Bildern und mit Worten, dass ich Mut zur Lücke beweise und die Stadt nur am Rande erwähne. Am Pfingstmontag erreichten wir den Stellplatz am späten Vormittag, als schon einige abgereist waren und noch wenig Neuankömmlinge. Was sich schon nach einer Stunde änderte, von nur an hieß es Eindringlinge abwehren. Die 25 Parzellen (15 €) sind so breit, dass mancher Van oder auch Wohnmobil noch locker zwischen zwei geparkte Fahrzeuge passt. Viele Suchende mussten wieder fahren und sich woanders einen Übernachtungsplatz suchen, andere wurden von den Nachbarn eingelassen, bis zur Nacht 30 Wohnmobile auf dem Platz standen. Gut ist die Lärmschutzwand zur Straße hin.

die weißen Striche markieren die Parzellenbreite, vor uns eine Lärmschutzwand zur Straße hin, hinter uns der Rhein-Donau-Kanal mit Fahrradweg
die weißen Striche markieren die Parzellenbreite, vor uns eine Lärmschutzwand zur Straße hin, hinter uns der Rhein-Donau-Kanal mit Fahrradweg

 

Vom Stellplatz in die Innenstadt sind es zu Fuß ca. 20m Minuten, mit dem Fahrrad ist man in wenigen Minuten am Kanal entlang aus der Stadt heraus und auf den schönsten Fahrradwegen durchs Land. Und gleich neben der Einfahrt zum Stellplatz ist eine Haltestelle für den Bus in die Altstadt. Was will man mehr?

 

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Mindestens ein Foto von der Alten Hofhaltung am Domplatz hätte mir noch gefallen, aber der Innenhof war gerade vollgestellt mit einer Freilichtbühne und Zuschauerrängen, eine Reihe höher als die andere. Andererseits mag ich es, wenn alte Gemäuer neuzeitlich genutzt werden. Also ein anderes Mal, wir kommen bestimmt wieder einmal nach Bamberg.

 

 

7| Donauwörth

Donauwörth empfing uns großzügig mit einem Gratis-Stellplatz für mehr als 20 Wohnmobile und freundlich mit einem sympathischen Angestellten, der die Euro-Münzen aus den Stromautomaten sammelte und uns hilfreich alle Wege erklärte. Was nicht wirklich notwendig ist, weil am Eingang zum Platz eine Informationstafel mit Plan steht. Frühzeitiges Kommen sichert gute Plätze, das gilt auch für Wohnmobil-Reisende, und so erwischten wir am Donnerstag-Vormittag eine der besten Parzellen an der Grünzone, auf der wir bis zum Pfingstmontag blieben.

 

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Obwohl das Zentrum von Donauwörth noch in den letzten Kriegstagen im April 1945 heftig bombardiert wurde und danach neu gestaltet werden musste, ist es den Verantwortlichen gelungen, der Altstadt ein einheitliches farbenfrohes Bild zu geben. Ich glaube zuletzt haben wir in Wismar so viele Häuser in fröhlichenPastelltönen gesehen. Donau und Wörnitz umschließen die Altstadtinsel Ried und vereinen sich danach zum breiten Strom der Donau.

 

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 Am ersten Vormittag musste Gabriel sich um unsere Stromversorgung kümmern, danach waren die Tage eine gesunde Mischung aus Radtouren, Stadtspaziergängen, Kultur und Rumgammeln. Entsprechende Informationen erhielten wir von einer Angestellten in der Tourist-Information, die uns mit ihrer Begeisterung für Donauwörth ansteckte und anregte zum Museumsbesuch (Käthe-Kruse) und Open-Air-Konzert (Stadtkapelle) im Rahmen eines Kulturabends der Stadt.

 

Das Käthe-Kruse-Museum (2 € für Rentner) bietet neben einer Unmenge an Puppen viel Wissenswertes über diese damals sehr moderne Frau. Von Haus aus Schauspielerin hat sie ihren fast 30 Jahre älteren Mann erst nach der Geburt des dritten Kindes geheiratet, nachdem sie einige Zeit allein mit den beiden ersten in einer Künstlerkolonie in Ascona (Italien) lebte. Neben ihrer Tätigkeit als verantwortungsvolle Unternehmerin zog sie sieben Kinder groß. 

Eine Freude für das Auge ist schon der Weg zum Museum entlang der Promenade.

 

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Eine Radtour über 50 km (ich!!!) führte uns an Westendorf und Ostendorf vorbei nach Nordendorf (Süderdorf haben wir sowohl auf der Karte als auch in der Landschaft vergeblich gesucht) und eine andere nach Nördlingen. Von dort nahmen wir allerdings den Zug zurück, weil unsere Bäuche voll waren mit Spätzle und Krustenbraten und vom Himmel ein Gewitter drohte.

 

Es sind schöne Touren meist im Flachen, durch kleine Dörfer, vorbei an Gutshöfen und bestellten oder brachliegenden Feldern. Nur einmal haben wir uns vertan und sind in Harburg fast bis zur Burg hochgefahren. Mit Elektrorädern ist aber auch das machbar - schnapp-japs-keuch...

 

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Das Städtchen Donauwörth bot für uns nichts Spektakuläres, aber wir fanden es sehr reizvoll und lohnenswert für einen Aufenthalt von mehr als nur einer Nacht (5 Tage darf man auf dem Stellplatz bleiben). Durch die unterschiedlichen Höhen im Stadtgebiet ergeben sich immer wieder reizvolle Ausblicke auf Wasserläufe oder Häuserzeilen. Nicht zu vergessen: Eine Menge Radtouren laden ein mit guter Beschilderung, sogar ich fand mich leicht zurecht.

 

 

6| Fuggerei in Augsburg

Der Stellplatz Wertach liegt  über dem Ufer der Wertach an einer vielbefahrenen Straße. Direkt vor Maggies Nase aber stürzte der Fluss temperamentvoll über Stolpersteine und übertönte mit seinem natürlichen Krachen  den Verkehrslärm. 

 

 

Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands und hat mit seinen fast 300.000 Einwohnern bestimmt viel mehr zu bieten als die Fuggerei, aber diese Siedlung ist das einzige was wir besichtigt haben. Mich interessierte noch der Goldene Saal im Rathaus, aber der war kurz nach 18.00 h schon geschlossen. Und auf dem halbstündigen Fußweg vom Stellplatz Wertach in die Innenstadt kitzelte nichts an unserer kurzzeitig ermüdeten Neugier.

 

Bemerkenswert fanden wir die hohe Anzahl an Fahrrädern, mit denen die Bürger unterwegs waren. 

Was uns noch auffiel waren die vielen nicht europäischen Gesichter im Straßenbild. An einem Häuserblock mit mehreren Treppenhäusern schaute ich auf die Klingelknöpfe und fand im ersten Treppenhaus 4 deutsche Nachnamen unter insgesamt 9, im zweiten keinen einzigen. Bei Wikipedia sah ich unseren subjektiven Eindruck bestätigt, die Rede ist von 35 %  Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Gleichzeitig wird Augsburg laut Wikipedia in der Statistik der Straftaten an zweitunterster Stelle geführt, was sich mit unserem spontanen Eindruck des friedlichen Zusammenlebens deckt. 

 

 

 

 

 

 

 

Ausgestelltes Prunkstück im Schaufenster eines großen Geschäftes für Damenmode

 

Die Fuggerei in Augsburg ist eine Wohnsiedlung für Bedürftige, die mich ein bisschen an das Remberti-Stift in Bremen erinnert hat. Beide Siedlungen sind grüne Oasen mitten in der Innenstadt, zentral gelegen und trotzdem ruhig. Beide sind uralt, das Ergebnis privater Initiativen und haben sich in ihrer sozialen Ausrichtung bis heute bewährt, jede Einrichtung auf ihre Art. Und sie sind lebendig. In Augsburg leben auch jüngere Menschen und zeitweilig auch einige Kinder, und es gibt ein Restaurant mit Biergarten. In letzterem saßen wir eine halbe Stunde, Zeit genug um zu beobachten, dass die Holztische nicht nur von Touristen frequentiert waren, sondern auch Treffpunkt für einige Bewohner bildeten. 

 

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Die Bewohner in der Fuggerei müssen damit leben, dass ihre Siedlung Gegenstand touristischer Neugier ist. Wohl deshalb gibt es im Erdgeschoss kein Fenster ohne schützende Gardine. Aber wahrscheinlich trägt das Eintrittsgeld fremder Menschen (Juni 2019: 6,50 €, 5,50 € für Rentner) dazu bei, die Kaltmiete bei fast Null zu halten. 

 

 

5| Herrsching am Ammersee

Wie in Memmingen war auch der Aufenthalt in Herrsching am Ammersee nicht geplant. Auf dem Weg nach Andechs führte uns eine Baustelle vorbei an dem Stellplatz, den wir vor 2 oder 3 Jahren schmuddelig und enttäuschend fanden und von dessen Schließung ich gelesen hatte. Mitnichten, das Tor stand weit offen und wir sahen von der Straße aus eine Vielzahl von Wohnmobilen in Reih und Glied, und anstatt enttäuscht waren wir entzückt von der Anlage und von der professionellen Freundlichkeit des Betreibers. In den 18 € + 1 € Umweltabgabe sind Ver- und Entsorgung ebenso enthalten wie sehr saubere Toiletten und Waschgelegenheit, Duschen soll es in ein paar Wochen geben. Einem Campingleben unter der Markise steht nichts im Wege, wir genossen fünf erholsame und abwechslungsreiche Tage.

 

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Wer hätte das gedacht: Auch an der Seepromenade in Herrsching steht ein schönes Karussell, wenn auch im Kleinformat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Radtouren entlang des Ammersees, nach Diessen auf der einen und Seefeld auf der anderen Seite entdeckten wir wunderschöne Plätze zum Baden oder einfach nur entspannten Liegen auf der Wiese, ohne Remmidemmi wie wir es nach einer Busfahrt am Starnberger See erlebten. Dort fand bei unserem Besuch gerade eine Beach-Party stand mit jeder Menge Security-Personal. Am Ammersee ist alles mindestens zehn Grad ruhiger, gemächlicher.

 

Radtour Herrsching - Wörthsee - Pilsener See - Herrsching       Anklicken zum Vergrößern

Der Radweg von Herrsching nach Diessen auf der anderen Seite des Ammersees führt um dessen südlichen Zipfel herum, ist leicht zu finden (selbst für mich!) und verläuft zum größten Teil eben. Ohne das ständige Rauf und Runter hielt ich auch mal an nur die schönen Wildblumen auf den Wiesen zu knipsen. An deren Farbenpracht kann ich mich berauschen ohne einen blassen Schimmer von Art und Namen zu haben.

 

Von Diessen aus kann man mit dem Schiff zurück, wenn man nicht wie wir den letzten Dampfer verpasst. So wurden es doch wieder mehr Kilometer als gedacht, umso besser schmeckte danach die Pizza aus dem Restaurant Di Mario in Stellplatznähe.

 

 

Eigentlich wollten wir auf den Stellplatz in Wangen, aber der war bis auf den letzten der 40 Plätze besetzt (Himmelfahrt, also der Beginn eines langen und sonnigen Wochenendes), und am Straßenrand warteten noch drei weitere Womos. Kurzentschlossen fuhren wir weiter nach Memmingen, wo wir schon im vergangenen Jahr standen und noch freie Parzellen vorfanden. Während Gabriel einparkte und ich draußen Maulaffen feilhielt, fuhr ein integrierter Rapido mit spanischem Kennzeichen ein und ich unterhielt mich kurz mit dem Fahrer. Als Gabriel dazu kam, war die Überraschung groß: Er war ein ehemaliger Kollege von Gabriel! In Palma laufen die beiden sich nie über den Weg, aber jetzt in Deutschland, im bayerischen Memmingen kamen sie nicht aneinander vorbei. Was lag näher als zusammen essenzugegen.

 

Vom Stellplatz aus führt ein ruhiger Weg an der Grünzone entlang in die Altstadt, dort gingen wir in das  Restaurant Zur Blauen Traube. Unsere Wahl haben wir nicht bereut, die Haxen der Männer hatten außen eine knusprige Kruste, und nach Entfernen der Fettschicht war das Fleisch sehr zart und geschmackvoll. Und so viel, dass jedes der Paare noch eine reichhaltige Mahlzeit für die nächsten Tage mit nach Hause nehmen konnte. 

 

Die Spargelteller der Frauen empfand ich nur als Durchschnitt.

 

Das Restaurant verfügt über eine Terrasse und hat eine urige Atmosphäre mit freundlichem und effizientem Service-Personal.

 

 

 

Von Besançon gang es weiter in Richtung Deutschland. Im vergangenen Mai machten wir Station in Meersburg am Bodensee, dieses Jahr schlich Maggie im stundenlangen Stopp and Go am Seeufer entlang. So langsam, dass Gabriel vom Beifahrerfenster aus fotografieren konnte. Die Wirklichkeit ist auch hier viel schöner als das Foto, der Blick geht über Weinstöcke und den See bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen. 

 

 

4| Besançon

Von Villars les Dombes fuhren wir,  vorbei an vielen kleinen Seen und Teichen, über Bourg en Bresse nach Besançon. Das berühmte Bressehuhn kommt aus dieser Gegend nördlich von Lyon und jedes Dorf, jedes Städtchen wirbt auf seine Art damit. Wir sehen gemalte Hühner und Huhnskulpturen, aber wir sehen kein einziges freilaufendes Huhn. Und die Einzige, die hier gackert, bin wohl ich.

 

Einige kleine gepflegte Hotels mit Restaurants laden zur Einkehr ein. Erst denke ich, hier ist doch nichts, weder Meer noch Berge, warum soll an hier Urlaub machen? Anscheinend gehöre ich auch schon zu denen, die eine spektakuläre Kulisse brauchen um sich wohlzufühlen. Dabei ist die Landschaft hier so schön mit ihren brachliegenden oder bewirtschafteten Feldern zwischen viel Wald auf welligen Hügeln. Schön und weitläufig und auch grandios in ihrer Ruhe. Das genügt doch um sich zu erholen, dafür braucht man keine schneebedeckten Gipfel und meterhohen Wellen. 

 

Besançon gehört zu den noch zu wenigen Städten, die auf ihrer Webseite Wohnmobilreisende ausdrücklich willkommen heißen und ihnen gleich mehrere Campingplätze und Stellplätze anbieten. Wir steuerten auf  den zentralsten am Quai Veil Picard, zwischen uns und dem Fluss Doubs fuhr nur die Straßenbahn. Die Parzellen sind nicht viel länger als 6 m, aber das Heck größerer Fahrzeuge passt gut über die dahinterliegende breite Grasfläche. 

Die für Wohnmobile ausgewiesenen Plätze waren belegt, uns machte gerade ein anderer Platz. Wir fühlten uns sicher.

 

der Stellplatz am Quai Veil Picard von der gegenüberliegenden Flußseite aus gesehen
der Stellplatz am Quai Veil Picard von der gegenüberliegenden Flußseite aus gesehen

 

 Wir spazierten in das Zentrum über eine breite Brücke, zugänglich nur für Fussgänger und die Straßenbahn. Die glänzt in einem schönen Blau-Türkis und macht Reklame nicht für Kommerz, sondern für die schlauen Köpfe der Stadt wie z.B. Louis Pasteur. Der Chemiker und Mikrobiologe wurde zwar nicht in Besançon geboren, verbrachte aber sehr viel Zeit in der Stadt. Eine andere Bahnlinie fährt die beiden Brüder Lumiere spazieren, die in Besançon der Fotoindustrie zu Glanz und Arbeitsplätzen verhalfen.

 

 

 

Pfeilförmige Messingbeläge sind in den Straßenbelag eingelassen und führen mit ihrer Gravur zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dieses Schild weist auf die Astronomische Uhr aus dem 19. Jahrhundert hin, die  Auguste-Lucien Vérité in der Kathedrale von Saint-Jean. 

 

Das alte Zentrum von Besançon ist groß und gut erhalten und vor allem fast durchgängig Fußgängerzone, was den Spaziergang zum Vergnügen macht. Und wie Avignon erbaut aus hellem Stein. Und wie dort freuen die Kinder und wir sich auch hier über ein altmodisches Karussell.

 

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3| Villars les Dombes

Jetzt waren wir schon zum vierten Mal auf dem Gelände des Parc des Oiseaux und haben es wieder nicht geschafft ihn zu besichtigen. Diesmal lag es am angekündigten Regen, der dann aber viel weniger heftig ausfiel. Immerhin haben wir uns das Dorf angeschaut, das im Zentrum die typische Mischung aus Kirche, Rathaus und Kneipe bietet. 

 

Und es gibt einen Bahnhof mit Verbindung nach Lyon und in der anderen Richtung Bourg en Bresse. Ein Grund mehr um diesen großzügigen, ruhigen und immer hoch kostenlosen Platz anzusteuern. Auch wenn wir den Vogelpark nicht besichtig haben, bot sich uns schon auf dem Parkplatz das Schauspiel eines Storchenpars mit Nachwuchs im Nest und ein himmlisches Gezwitscher als einzige Geräuschkulisse. Herrlich nach den beiden Plätzen in Sète und Avignon mit Straßen- und Zugverkehrslärm.

 

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2| Avignon

2018 waren wir schon einmal in Avignon, darüber könnt ihr hier nachlesen.

Wir fuhren denselben Stellplatz an und blieben zwei Nächte, dieses Mal an einem normalen Wochenende bei frühsommerlichen Temperaturen.

 

Ohne das päpstliche Exil im 14. Jahrhundert und ohne die mehrfach zerstörte und nicht wieder hergestellte Brücke über die Rhône wäre das Städtchen wohl kaum so berühmt geworden. 

Der Papstpalast mit dem langgezogenen Platz davor beherrscht das Stadtzentrum vollkommen. Aber es lohnt sich auch, in den kleinen Gassen zu stromern, wenn man nicht in einer zahllosen teuren Boutiquen in den Hauptstraßen einkaufen will. Deren Preise fanden wir gesalzen, auch die der Restaurants mit ihren Terrassen unter schattenspendenden hohen Bäumen.  Das billigste Mittagsmenü, das wir fanden, kostete immer noch 26,50 €. Ohne Getränke wohlgemerkt. Wir entschieden uns fürs Speisen im Wohnmobil.

 

Ein guter kostenloser Service wird mit der Fähre über die Rhône geboten, die viertelstündlich fährt. Damit erspart man sich den Gang über die vielbefahrene moderne Brücke und schippert gemütlich übers Wasser auf die Stadt zu. 

 

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Den Papstpalast von innen haben wir nicht besichtigt und lieber einen  Stadtbummel gemacht, hier einige Eindrücke davon. Wie so oft haben es mir die Farben angetan. Die Architektur bietet ein einheitliches Bild in hellem Grau/Beige, das die Farbe der Baumstämme wiederzugeben scheint.

 

Bunt sind dagegen die städtischen Leihfahrräder und das herrlich altmodische Karussell mit Holzpferden unten und oben. Auf dem vorletzten Bild nähert sich Gabriel einem Trompeter, der sehr gut spielte und entsprechend Münzgeld erhielt. 

 

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1| Sète

Nach der 1. Übernachtung in Quart (Girona) ging es schnell weiter nach Frankreich. Dabei passierten wir einen Ort, der auf der einen Seite zu Spanien gehört (La Jonquera) und auf der anderen zu Frankreich (Le Perthus), bis beide Ortsteile sich in Frankreich vereinen. Auf der Durchgangsstraße war ein Verkehr wie zur Stoßzeit in einer Großstadt. Das liegt daran, dass die spanische Seite steuerbegünstigt ist und massenweise französische Käufer anlockt.

 

Wenige Kilometer vor Sète steuerten wir den Stellplatz Les Trios Digues an. Ganz nah liegen auf der einen Seite der breite Strand und auf der anderen die Straße nach Sète und vor allem die Eisenbahnschienen. Güterzüge und Personenzüge wechseln sich ab, einer lauter als der andere. Trotzdem würde ich den Platz auch für mehr als eine Nacht empfehlen, weil man in zwei Richtungen wunderbar am Strand entlang Radfahren kann, durch den Sand laufen oder in den Bars/Restaurants abhängen kann.

 

Der Bus in das ca. 10 km entfernte Zentrum der Stadt Sète hält direkt vor dem Stellplatz und fährt danach parallel zum Strand weiter; auch deshalb bietet sich ein Aufenthalt auf diesem Platz an.

 

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Mit den Rädern fuhren wir in Richtung Sète, aber nicht in die Stadt hinein. Wir waren noch nicht auf Besichtigung eingestellt, wollten uns einfach nur ausruhen. Die Tücken des Navis (oder meine mangelnde Übung im Umgang damit) zwangen uns am bei der Weiterfahrt  doch noch eine Besichtigung auf und wir waren entzückt. Die Stadt gilt nicht umsonst als das kleine  Venedig des Languedoc und ist unbedingt sehenswert. Kanäle und Brücken und alte Stadthäuser, nach jeder Kurv e ein anderes Bild.

 

Der neue Teil in Richtung  Strand hingegen versprüht den Charme der Sechziger, obwohl wahrscheinlich erst Jahrzehnte später entstanden. Hierzu einige Fotos.

 

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