Teil IV 2019: zurück durch Deutschland

 

Über die nummerierten Orte gibt es ausführlichere Berichte, weil sie mir - aus welchem Grund auch immer - bemerkenswert erscheinen.

 

 

DEUTSCHLAND: 37| Peenemünde - 38| Stralsund - 39| Lübeck - Hamburg und Umgebung -  40| Glückstadt - 41| Celle - Bad Hersfeld - 42| Königschaffhausen (Kaiserstuhl)

 

 

 

 

Deutschland


37| PEENEMÜNDE

"Wo ist denn hier das Dorf?"

 

Das ehemalige Fischerdorf Peenemünde gibt es nicht mehr seit Wernher von Braun und seine Kollegen 1935 die Halbinsel in der Ostsee als idealen Standort zur Erprobung von Raketen entdeckten.  1942 schossen die Physiker hier die weltweit erste Rakete ins All. Das Ende kennen wir.

 

Zurück in Deutschland ist Peenemünde unsere erste Station, aber das letzte Stück auf dem Weg zum Stellplatz kommt uns immer noch polnisch vor. Zwischen Baustellabsperrungen und auf Schotterwegen drehen wir uns im Kreis und sind glücklich, als wir das letzte Wegstück finden. Dass es holprig ist und nur mit maximal 20 km/h zu bewältigen, macht uns gar nichts aus.

 

 

Blick von der Aussichtsplattform des Historisch-Technischen Museums auf das Gelände, in dem sich ein Teil des Fischerdorfes befand. Noch heute gilt manche Erde als verseucht dort gelagerte Munition. 

 

So eine Versuchsanstalt für Raketen braucht eine Menge Energie. Ein Kohle-Kraftwerk musste her, in dem heute das Museum untergebracht ist. Nicht nur auf dem Stellplatz machen wir uns die Füße schmutzig im kohlschwarzem Sand. Unten zwei Fotos, die annähernd das Ausmaß des Kraftwerks auf diesem kleinen Flecken Erde wiedergeben.

 

 

 

Der Peenemünde Wohnmobilstellplatz liegt mittendrin, zwischen dem Historisch-Technischen Museum im ehemaligen Kraftwerk (unbedingt sehenswert auch für technisch Unbedarfte wie mich!),  einem U-Boot-Kreuzer mit Raketengeschossen (nur was für Leute, die sich die unzumutbaren echten Arbeitsbedingungen der Besatzung antun wollen) und der Anlegestelle für die Fußgänger- und Radfahrerfähre nach Kröslin und Freest (sehr empfehlenswert für eine Radtour durch Felder, Dörfer und Wälder). 

 

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38| STRALSUND

Die Backsteingotik des Nordens verfolgt uns durch die Länder des Baltikums, durch Polen und Deutschland, vor allem in den Hansestädten. Ich fange schon an, hinter jedem Wohnhaus aus roten Ziegelsteinen, das einen schmuckem Giebel und Erker mit Stuck herzeigt,  einen historisch wertvollen Bau zu wittern. Auch Stralsund ist voll von alten Gemäuern, und das auf eine großzügige und weitläufige Art, die uns gefällt.

 

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Noch mehr als die schönen Gebäude erfreut uns, dass wir auf Empfehlung freundlicher Mitarbeiter des Reisemobilcenters, die auch über den Stellplatz an der Rügenbrücke wachen,  spontan einen Termin erhalten zum fälligen Reifenwechsel. Bei Point S von Strehla-Auto werden Maggies Schuhe in der vorgesehenen Stunde gewechselt und der Kostenvoranschlag bis auf den Cent eingehalten. Vor allem Gabriel ist entzückt von diesem guten Service.

 

 

Ich meinerseits bin entzückt von meiner Erwerbung aus dem Shop des Caravan-Center Dahnke. Schon lange gehe ich mit dem Gedanken schwanger mir den Omnia-Backofen zu kaufen, der wie eine Gugelhupfform daherkommt und angeblich alles gebacken kriegt, was jeder normale Ofen auch schafft: Aufläufe, Pizza, Brot und Kuchen. Wenige Stunden nach dem Kauf ist mein erster Versuch mit einem Kartoffel-Brokkoli-Auflauf geglückt! Im Blog werde ich berichten, wie es weitergeht mit dem Öfchen. Das dunkle runde Teil auf dem Teller ist übrigens eine leicht verkohlte Frikadelle ...

 

 

 

 

39| Lübeck

EINTRACHT DRINNEN - FRIEDE DRAUSSEN, so lautet die Übersetzung des lateinischen Spruchs auf der von der Stadt abgewandten Seite des Holstentors. Der mittelalterliche Bau, der 1855 im Senat mit nur einer Stimme Mehrheit vor dem Abriss gerettet und danach von Grund auf restauriert wurde,  ist heute Wahrzeichen der Hansestadt ebenso wie Niederegger Marzipan.

 

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Schön ist es, einfach durch die Stadt zu bummeln, ohne Ziel oder Suche. Uns fallen die Gänge zwischen den Häusern auf, die zu ruhigen Innenhöfen mit Wohnhäusern führen. Einer kommt hippiemäßig daher, ein anderer eher gewöhnlich, und sehr schön der Rosengang. In jedem stehen Tische und Stühle vor den Hauseingängen, bei denen wir uns fragen, ob das eine von der Stadt aufgetragene Pflicht ist für die Bewohner. Aber egal, schön und einladend ist die Atmosphäre allemal. 

 

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Schöne alte Häuser, Kneipen noch und nöcher und so sonderbare Dinge wie ein ehemaliges Frauenkloster mit der Aufschrift "Jungfrauen-Kloster" oder eine "Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit" fallen uns auf. Letztere wurde 1789 gegründet und ist heute immer noch und auf zeitgemäße Art rührig und tätig auf sozialem und kulturellem Gebiet. Das Kloster wurde in eine Stiftung umgewandelt. Heute wohnen hier Frauen ab 50, die sich auf dem freien Markt keine Wohnung leisten können. 

 

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Und ja, natürlich hat auch Lübeck ein altes Rathaus, sogar ein sehr spezielles. Der Bau ist ungewöhnlich schmal und lang, L-förmig und verfügt über eine Außentreppe, die erheblich zu seinem Ruhm beigetragen hat. Ihm gegenüber liegt die Konditorei Niederegger, und so liegt es nah (nicht nur geografisch), dass diese in den Arkaden, unter der Treppe, ein Café betreibt. 

 

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Drei Nächte blieben wir auf dem Wohnmobiltreff Lübeck und ich habe es geschafft, während der ganzen Zeit kein einziges Mal den Stellplatz zu fotografieren. Von dort kommt man mit dem Bus oder mit dem Fahrrad schnell in die Innenstadt, und in den 11 € Tagesgebühr incl. Strom sind auch noch 2 € Verzehrbon für das Restaurant am Platz enthalten. Wir haben zweimal dort gegessen und waren beide Male zufrieden mit Küche und Service.

 

 

 

 

40| GLÜCKSTADT

Glückstadt heißt Glückstadt, weil ihr Gründer es so wollte. Christian IV war König von Dänemark und Norwegen und als wäre das nicht schon mehr als genug, obendrein noch Herzog von Schleswig-Holstein. Allein an dieser Ämterhäufung in einer Person sieht man, dass es damals drunter und drüber ging auf dem europäischen Kontinent. 1617 gründete er die auf dem Reißbrett entworfene Stadt als Gegenpol zur Hansestadt Hamburg, worüber sich die Hamburger wahrscheinlich heute noch ins Fäustchen lachen. Aber immerhin, im Dreißigjährigen Krieg hielt die Festung ihrer Belagerung stand, und auch im Zweiten Weltkrieg fielen vermutlich nur wenige Bomben auf den bis heute gut restaurierten historischen Stadtkern. Also doch eine Stadt im Glück?

 

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Das Städtchen an der Elbe kann man mit dem Wohnmobil von zwei Seiten aus erreichen. Wir kommen aus Hamburg und bleiben eine Nacht auf dem Stellplatz an der Mole. Hier zahlt man 10 € ohne Ver- und Entsorgung, ist aber unter sich, weil für Pkw's ein anderer Parkplatz vorgehalten wird. Also ein Zehner für die Ruhe und die gute Aussicht im "echten Norden". (Mit diesen Worten wirbt das Land Schleswig-Holstein für sich selbst.) Auf der anderen Seite der Elbe, schon in Niedersachsen (böse Zungen behaupten ja, südlich der Elbe fängt der Balkan an) und mit der ständig pendelnden Fähre zu erreichen, ist die Übernachtung auf dem Parkplatz Wischhafen kostenlos. Ruhe und eine schöne  Aussicht sind vielleicht genauso gegeben.

 

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Im Ratskeller gönnen wir uns eine Glückstädter Fischplatte. Sie bietet eine große Portion echten Nordens mit  Matjes nach Hausfrauen Art, eingelegtem Brathering und Büsumer Krabben mit Bratkartoffeln, Spiegelei und gemischtem Salat, alles frisch und köstlich zubereitet.

Bei unserem Rundgang durch die Stadt treffen wir auch ihren Gründer, während ich am frühen Morgen seinen Untertanen begegne auf der Treppe zum Deich. Und von oben dem Treiben auf dem Fluß zusehe.

 

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Und wir kaufen frische Büsumer Krabben für uns und als Mitbringsel für meine Tante in Uetersen sowie drei Packungen mit in Rotwein eingelegtem Matjes. Eine haben wir schon verputzt. Durch dieses Produkt ist uns die Firma Plotz in Glückstadt ein Begriff und wir sind glücklich, dass wir mit dem Wohnmobil am Straßenrand parken und im Hofladen einkaufen können. Um 10.00 Uhr macht er auf, und schon fünf Minuten später herrscht dort reger Betrieb. 

 

 

 

 

Glück im Unglück hat in Glückstadt auch, wer mit dem Fahrrad einen Platten hat und an diesem Automaten mit Material zu dessen Behebung vorbeikommt. Zum ersten Mal sehen wir einen solchen Automaten, und vor allem Gabriel als passionierter Fahrradfahrer ist entzückt. 

 

 

 

 

 

 

HAMBURG-HAMMERBROOK

Dieser Stellplatz in Zentrumsnähe liegt keine 200 m von der S-Bahn-Station Hammerbrook entfernt und damit nur eine Haltestelle vom Hauptbahnhof. Und der Platz ist wirklich der Hammer, kraftvoll zuschlagend. Drei Nächte schlafen wir unter den Hochbahngleisen, d.h. halbwegs schlafen kann ich erst in der dritten. Die Züge fahren bis 1.30h und wieder ab 4.30 h.

Zum großen Vorteil der Nähe zur Innenstadt kommt eine gute Ver- und Entsorgungsstation. Zum Nachteil des Lärms gesellt sich die Enge bei vollem Stellplatz.

 

Drei Tage verbringen wir in Hamburg mit Freunden und Familienmitgliedern, danach geht es weiter in den Kreis Pinneberg und Kreis Stormarn zu Cousins und Cousinen mitsamt Anhang. Eine ausgefüllte und schöne Woche, die zu privat ist, um im Internet darüber zu berichten. Lediglich die Stellplätze will ich hier vorstellen. 

 

 

 

 

UETERSEN

im Kreis Pinneberg

Bisher war ich der Meinung, dass Uetersen außer meiner Lieblingstante und ihrer Familie nichts zu bieten hat. Jetzt weiß ich, dass die unscheinbare kleine Stadt einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz für 4 Wohnmobile zur Verfügung stellt, der zwar keine Ver- und Entsorgungsstation hat, aber einen ebenfalls kostenlosen Stromanschluss für jedes Fahrzeug. Zwei ruhige Nächte verbringen wir am sogenannten Hafen, bis am frühen Morgen die dicken Brummis hinter uns zur Verrichtung ihres Tagwerks aufbrechen. 

 

 

 

 

 41| CELLE

 Für unserem Besuch der Stadt Celle übernachten wir auf dem Stellplatz am Badeland, der erst 2018 eingeweiht wurde und immer noch glänzt wie neu. Wir haben ihn vor allem ausgesucht wegen der Möglichkeit zum Wäschewaschen, was auch bestens funktioniert.

 

Durch einen Park, genannt "Französischer Garten" und unter Denkmalschutz gestellt gelangt man schnell in die historische Innenstadt. Bis dato wußte ich nicht, dass auch Parks unter Denkmalschutz stehen können. Doch nicht etwas wegen diesem überdimensionierten Blumentopf?

 

 

Liebhaber von Fachwerkhäusern kommen in Celle voll und ganz auf ihre Kosten. Laut Angaben der Celler Tourismus und Marketing Agentur sind in der Stadt über 500 Fachwerkhäuser gut erhalten, restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Gezählt habe ich sie nicht, aber tatsächlich sind wir beeindruckt von dem geschlossenen Bild.

 

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Gern hätten wir uns das niedersächsische Landesgestüt näher angesehen, das 1735 gegründet wurde und heute ganz nah an der Innenstadt von Celle liegt, also zu Fuß gut zu erreichen ist. Leider hatten sie am Wochenende eine größere Veranstaltung auf dem Gelände und am Montag ruhen sich Pferde und Personal von dem Ansturm aus.

 

 

Aber wenigstens um das schöne Residenzschloss können wir spazieren, das mitten in der Stadt erhöht im  Grünen liegt, eine Besichtigung innen ist montags allerdings nichtmöglich. Das Residenzschloss der Welfen  ist das älteste Gebäude der Stadt, die drum herum gewachsen ist.

 

Übrigens: Um den Montagsfrust am 8. September voll zu machen, hat natürlich auch der Ratskeller Ruhetag, der uns wärmstens ans Herz gelegt wurde bzw. für den Magen empfohlen. Kein Nachteil ohne Vorteil, so bleibt uns noch Zeit für eine zweite Waschmaschine + Trockner, was ja auch nicht schlecht ist. Aber keine wirkliche Alternative ...

 

 

 

 

 

BAD HERSFELD

In Bad Hersfeld verbringen wir eine ruhige Nacht . auf einem kostenlosen Parkplatz nah an der Innenstadt. Hier sind einige Parzellen für Wohnmobile gekennzeichnet, in dieser Nacht sind wir zu Dritt. Wir kommen spät und fahren früh am nächsten Morgen und machen auch wegen des schlechten Wetters nur einen kurzen Spaziergang in die Stadt zur Stiftsruine. Sie ist weltweit die größte Ruine einer romanischen Kirche, seit 1951 werden in dem Gemäuer die Bad Hersfelder Festspiele ausgetragen. Mit Jahrgang 1952 bin ich jünger als die Festspiele!

 

 

Nach dem Montagsreinfall in Celle ist auch  am Dienstag in Bad Hersfeld kein Restaurantbesuch im Ratskeller möglich, das Lokal ist geschlossen. Aus welchen Gründen auch immer.

 

 

 

 

 

42| KÖNIGSCHAFFHAUSEN im Kaiserstuhl

Zum dritten Mal schon sind wir im Wohnmobilgarten Kirschenhof der Familie Schmidt in Königschaffhausen und verlängern dieses Mal von einer Nacht auf zwei und dann auf drei Nächte. Was vor allem dem spätsommerlich schönen Wetter zu verdanken ist, das uns zu ausgedehnten Fahrradtouren verlockt. Ausgewiesen sind 28 Parzellen mit Strom und Wasseranschluss, bei unserem Aufenthalt zähle ich zeitweise über 40 Fahrzeuge. Hierfür ist genügend Ausweichmöglichkeit auf der anliegenden Wiese, manche ziehen diese grünen Plätze ohne Markierung den exakten Parzellen vor.

 

nach einem einzigen kurzen Regenschauer erfreut uns dieser Regenbogen
nach einem einzigen kurzen Regenschauer erfreut uns dieser Regenbogen
ein freundlicher Wanderer macht dieses Foto von uns, nachdem wir über hunderte von Metern eine 12%ige Steigung überwunden haben - was auch mit Elektrorädern stark die Puste fordert
ein freundlicher Wanderer macht dieses Foto von uns, nachdem wir über hunderte von Metern eine 12%ige Steigung überwunden haben - was auch mit Elektrorädern stark die Puste fordert

 

Verschiedene Routen führen den Radler durch die Weinberge und Dörfer des Kaiserstuhls. Meist strampeln wir auf asphaltierten Fahrradwegen, selten auf Schotter, über kurze Strecken auch auf Landstraßen mit wenig Autoverkehr. Wir fahren durch Sasbach und am Rhein entlang nach Breisach, über hohe Weinberge nach Oberbergen und sogar bis Ihringen. Nur Bischoffingen entzieht sich uns mit boshafter Hartnäckigkeit, an beiden Tagen finden wir es trotz aller Mühe nicht und können auch anderen nicht helfen, die uns nach dem Weg zu diesem Ort fragen. Ist Bischoffingen etwa das südliche Bielefeld? Das ja angeblich gar nicht existiert ...

 

Besonders schön finden wir die etwas mehr als zwei Kilometer, die wir auf dem Weg nach Jechtingen in Richtung Burkheim abzweigen. Sie führen auf Sandweg durch lichten Baumwuchs, unten fließt ein Bach und auf der anderen Seite des Weges steigen die Weinberge an. 

 

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Weinliebhaber sind im Kaiserstuhl bestens aufgehoben. In fast jedem Ort bietet die Winzergenossenschaft Weinproben an und verkauft die Erzeugnisse der Umgebung. Uns gelingt es, sechs Literflaschen von Bettina Schumann in Königsschaff-hausen heil in den Satteltaschen auf den Stellplatz zu transportieren. Diesen Wein finden wir überdurch-schnittlich teuer, aber auch extrem lecker. Durchschnitt kann man in jedem Supermarkt kaufen. 

 

In Burkheim besichtigen wir das Korkenzieher-Museum, eine sehenswerte Rarität in der Welt der sonst oft trockenen Hochkultur. Der Besuch ist gratis, aber wir kaufen im dazu gehörigen Geschäft eine Kühlmanschette zur dringend notwenigen Komplettierung von Maggies Inventar.