W4| und es hat Ratsch gemacht!

Bis dahin war alles gut gegangen. Nie gingen uns Gas oder Wasser aus, und am letzten Morgen des Verwandtenbesuchs in Jaén (Herbst 2018 - 35|) durften wir unsere Kassette ins Gästeklo schütten. Maggie hatte wieder einmal tapfer all unsere Umwege und Irrtümer auf sich genommen, sich durch enge Gassen geschlängelt und auf Serpentinen Steigungen und Gefälle gemeistert. Ohne Quietschen oder Stocken.

 

Am Montagmorgen jedoch, nach dem Abschied, wurde es ihr zuviel. Wenn man den Parkplatz gegenüber vom Haus des Cousins verlässt, geht es rechts weiter bergauf und danach sehr steil abwärts. Diese traumatische Erfahrung haben wir vor zwei Jahren gemacht und wollten sie nicht wiederholen. Also bog Gabriel nach links in die Richtung, aus der wir vor drei Tagen gekommen waren. Auch hier geht es bergab, aber weniger steil, und nach einigen hundert Metern kommt eine scharfe Rechtskurve. Innerhalb derer ist der Bodenbelag im Laufe der Jahre rissig und holprig, stellenweise  fast stufig geworden.

 

Wir hörten es, ein Schaben, ein Knirschen, ein Ratschen rechts hinten. Weiss der Teufel warum wir nicht bei der ersten Gelegenheit anhielten und nachschauten. Dann hätten wir womöglich das fehlende Dreieck der Karrosserie als ganzes Stück gefunden und mitgenommen. So aber bemerkten wir den kleinen Schaden erst nach acht Stunden und über 600 Kilometern.

Früher hätten wir von einem kleinen Blechschaden gesprochen. Hier und heute handelt es sich um hauchdünnes Plastik. Es geht ja darum, die Wohnmobile möglichst leichtgewichtig zu bauen, damit sie mit allem Drum und Dran, mit Aussenwelt und Innenleben nicht über 3,5 Tonnen kommen. Ein Vorteil bei unserem Modell ist zweifellos, dass ausser der stabilen Rückwand das untere Heck in fünf Teile untergliedert ist, wir also nicht das halbe Heck austauschen müssen.

Ich werde berichten, wie die Operation ausgeht!

W3| rumdum Wäscheständer

Es nützt alles nichts, irgendwann muss jede schmutzige Wäsche gewaschen werden, auch wenn wir ab und zu Fünfe gerade sein lassen und ich manches mit der Hand wasche. Mein Motto dabei: Wenn wir schon so frei reisen wollen mit dem Wohnmobil, dann kümmern wir uns gefälligst selbst darum und fragen nicht unterwegs bei Verwandten oder Freunden nach, ob wir ihre Waschmaschine benutzen dürfen. Nur wenn sie angeboten wird, nehme ich es bei Bedarf gern und dankend an. Meist sind es Menschen mit Camping-Erfahrung, die schon beim Öffnen der Haustür als erstes nachfragen, ob es etwas zu waschen gibt.

 

Ansonsten machen wir es wie zu Studentenzeiten und gehen in einen Waschsalon, fast nie auf einen Campingplatz, und selten sind wir auf einem Stellplatz mit derlei Komfort. Wir stopfen grosse Taschen voll und stapfen damit durch die Städte auf der Suche nach dem vorher ausgekundschafteten Waschsalon. Vor wenigen Tagen erst in Plasencia, wo wir die einzigen waren mit "normaler" Wäsche. Alle anderen Kunden zwängten ihre Einziehdecken in die Maschinen, der Winter steht vor der Tür. 

 

Genial ist die Lage des Salons in Esposende (Portugal), wir konnten mit Maggie bis vor die Tür fahren. Genial und gesegnet: Über dem Trockner lief eine Dauerschleife mit der heiligen Fatima auf dem knisternden Bildschirm. In Nürtingen bei Stuttgart warf ein Wäschekorb voller Tennisbälle Fragen auf. Wir  staunten nicht schlecht, als eine Kundin mindestens zehn Bälle zu ihrer Bettwäsche in den Trockner warf, damit die grossen Stücke nicht zusammenballen und besser trocknen. Wieder was gelernt!

 

Schwierig wird es, wenn die Trockner nicht ausreichend Leistung bringen. Das passierte uns in San Sebastian und spanischen Freunden von uns in Deutschland. Die Folge war in beiden Fällen eine lange Nacht mit nassen Handtüchern und feuchter Unterwäsche an allen möglichen und unmöglichen Stellen im Wohnmobil. Dass Maggie aussen als Rumdum-Wäschständer dient, ist sie ja gewohnt, aber innen war es ihr denn doch zu viel. So viel Feuchtigkeit schadet der Gesundheit, wir feuerten mit der Gasheizung kräftig gegenan.

Den besten Waschsalon fanden wir in Mafra  in Portugal, siehe Punkt 26| der Herbstreise 2018 Teil III.

In Pontevedra (Galizien) liegt er nur 3-400 m vom Stellplatz entfernt, 20| der Herbstreise 2018 Teil II.

ideal: ein Parkplatz fürs Womo vor der Tür des Waschsalons in Esposende (Portugal)
ideal: ein Parkplatz fürs Womo vor der Tür des Waschsalons in Esposende (Portugal)

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W2| wenn ich Maggie wäre, ...

… würde ich die Überfahrt mit der Fähre hassen. Bevor es überhaupt zur Anlegestelle geht, muss sie auf die Waage: Satte vier Tonnen waren es diesmal. Weil sie aufgelastet ist auf 3.850 kg, ist das noch grenzwertig.

 

Dann muss sie über eine klappernde Rampe nach oben kriechen und manchmal noch in der Schräge bremsen und warten, wenn es auf dem Deck nicht weiter geht. Sie stand schon eingequetscht zwischen Riesentrucks oder erhobenen Hauptes unter Pkws, fast immer in der "Tiefgarage". Dieses Mal (Herbst 2018) hatte sie Glück und verbrachte die Überfahrt an der frischen Luft. Wie wir auch.

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Zur Überfahrt von Barcelona nach Palma auf der Rückfahrt nach unserer Herbstreise 2018,  36| Teil IV

W1| unser Wohnmobil...

... ist weiblich und heißt Maggie. Weiblich, weil wir in Spanien leben und dort das Wohnmobil la autocaravana heißt; den Namen Maggie haben wir fantasievoll zusammengezogen aus der Modellbezeichnung Magic Edition. Getauft wurde sie mit Gin Tonic an einem frischen Maiabend in Sankt Peter Ording. Nach Ablauf der Garantiezeit und fünf langen Reisen sind wir sicher, dass wir das für uns passende Modell gekauft haben. Das mag auf andere Paare ganz und gar nicht zutreffen, jedes hat andere Bedürfnisse und wählt anders aus. 

 

Die genaue Modell-Bezeichnung lautet: Magic Edition White T7151-4 DBM, teilintegriert mit Hubbett, Jahrgang 2016. Die Zahl 4 steht für die Anzahl der zugelassenen Reisenden (4 Sicherheitsgurte), DBM bedeutet Doppelbett mittig und White war die preiswertere Variante. Für Black hätten wir nochmal 5.000 € drauflegen müssen. Das Hubbett hat noch niemand je zum Schlafen benutzt, wir lagern darauf Ersatzbettwäsche, Anoraks und jede Menge große leere Plastiktüten. Wir überlegen gerade, ob wir die Matratze herausnehmen und so noch viel mehr Stauraum schaffen. Obwohl ein so großes Wohnmobil wirklich mehr als genug Platz bietet für zwei erwachsene Reisende: Länge 7,68 m, Breite 2,35 m, Höhe 2,85 m.

Maggie im Juni 2016 zuhause auf Mallorca, noch ohne zusätzliches Sicherheitsschloss. Ich mag ihr erhabenes Haupt und die vorwitzige Schnauze
Maggie im Juni 2016 zuhause auf Mallorca, noch ohne zusätzliches Sicherheitsschloss. Ich mag ihr erhabenes Haupt und die vorwitzige Schnauze

Seitdem wir sie im Mai 2016 von dem Verkäufer in der Nähe von Flensburg abgeholt haben, ist Maggie laut Tacho bis heute (November 2018) mehr als 38.000 km brav über alle möglichen und unmöglichen Autobahnen, Landstraßen und Irrwege gelaufen. Dabei hat sie die unterschiedlichsten Kinderkrankheiten durchgemacht, glücklicherweise allesamt noch in der Garantiephase. Was dazu geführt hat, dass wir schon nach zwei Jahren über reichlich Werkstatterfahrung verfügen, positive wie negative. Zweimal waren wir in der fabrikeigenen Werkstatt in Isny, und jedesmal hoch zufrieden mit Behandlung und Ergebnis (unbezahlte Werbung).