Teil IV der Herbstreise 2018 - Beginn unten auf dieser Seite

Stationen des 4. Teils, über die nummerierten Orte gibt es Berichte:

Ayamonte - 29 Rocio - 30 Minas de Riotinto - 31 Sevilla - 32 Sanlúcar de Barrameda - Cadiz - Tarifa - 33  La Línea de la Concepción (Gibraltar)  - 34 Ronda - 35 Jaén - 36 ab nach Hause

36| Ab nach Hause

Am Mittwoch 21.11. mussten wir für einen wichtigen Termin wieder in Palma sein. Nach dem Familienwochenende starteten wir am Montagmorgen in Jaén und teilten uns die über 600 km auf bis zu unserem Zwischenstopp in Las Casas de Alcanar an der Mittelmeerküste. Wieder hatten wir grosses Glück und das angesagte Unwetter erreichte uns nicht, nur Wind und ab und zu ein Regenschauer. Für die letzte Nacht im Wohnmobil war uns im Hafen Ruhe und eine schöne Sicht vergönnt, und das mit ausdrücklicher Genehmigung der Hafenmeisterei. Eine höfliche Frage Gabriels genügte mit Hinweis darauf, dass wir zu Viert (wir waren mit Freunden verabredet) in dem saisonal fast ausgestorbenen Ort essen wollten.

Am Abend in Barcelona waren wir fast die letzten, die aufs Schiff gelassen wurden, und hatten an der Mole Zeit und Muße für Abendbrot, Betten abziehen, saubere und schmutzige Kleidung zusammenpacken und die restlichen Lebensmittel nach Haltbarkeit sichten. Und um einen Blick auf die ein- und auslaufenden Schiffe zu werfen.

 

Nach einer Schaukelnacht bei bewegtem Meer saß ich wie auf jeder Rückfahrt am frühen Morgen in der Cafeteria der Fähre, umringt von Lastwagenfahrern aus vielen Ländern Europas. Ich mag diese Atmosphäre. Fast alle Fahrer können mindestens ein paar Brocken spanisch und ich höre, wie sie einander Tipps geben und auf dem Smartphone den besten Weg in ein bestimmtes Dorf zeigen. Sie reichen Verzehrbons über den Tresen und nehmen Kaffee und Croissant oder ein belegtes Brot entgegen. Für viele heisst es heute fahren und entladen, vielleicht woanders wieder beladen und zurück zur Mole. Ein langer Tag vom Anlegen der Fähre gegen sieben bis zum Ablegen um elf Uhr.

auf der Fähre - anklicken zum Vergrössern

35| Verwandtenbesuch in Jaén

Jaén bedeutet für uns Familienbesuch. Das ist privat und werde ich hier nicht beschreiben. Nur so viel, dass ich an nur einem Wochenende von Freitagabend 16.11. bis Montagmorgen 19.11. mehr als ein Kilo zugelegt habe.

Die Stadt wurde auf zum Teil felsigen Hügeln erbaut und ist ein einziges Auf und Ab. Zwischen dem Haus eines Onkels von Gabriel und der Wohnung eines Cousins liegen weniger als 300 m Luftlinie, für die wir wegen der vielen Treppen gefühlt eine halbe Stunde brauchten.

 

Offizielle Park- und Übernachtungsmöglichkeit für Wohnmobile ist der Parkplatz mitten im Zentrum am Bahnhof und nicht zu empfehlen. Schon die Fahrt durch die zum Teil engen Straßen mit scharfen Kurven ist höllisch, und auf dem Parkplatz herrschte bei unserem Besuch vor zwei Jahren ein derart heilloses und lärmendes Durcheinander, dass wir nach nur fünf Minuten das Weite suchten. Was uns nur mit Hilfe eines netten Spaniers gelang, der die Schranke für uns öffnete.

 

Unser damaliger Ausweichplatz gegenüber dem Haus eines Cousins wurde inzwischen als öffentlicher Parkplatz mit Genehmigung für Wohnmobile gut ausgebaut. Doch nicht etwa weil unsere Maggie die Aufmerksamkeit eines Beamten erregte?? Wie dem auch sei, die Einfahrt ist nur dann leicht, wenn auf der gegenüber liegenden Seite kein Auto parkt. Der Platz ist in Ordnung. Aber was nützt einem die schöne Aussicht, wenn man ohne Busverbindung weitab vom Zentrum ist und nicht wie wir super gastfreundliche Verwandte in der Straße hat? Für eine Nacht, in der man nicht weiss wohin, ist es okay.

 

Ein äußerst romantisches Ambiente bot uns der Platz für die erste Nacht, die ein anderer Cousin von Gabriel beschafft hatte. Eine Halle im Industriegebiet, in der wir in der Gesellschaft eines Busses, eines Lasters, verschiedener PKWs und mehrerer Motorräder standen. Am Morgen weckte uns energisches Poltern am Blechtor, und Gabriel fuhr im Pyjama und mit mir im Bett ein paar Meter vor, damit die Motorräder aus der Halle konnten.

Übernachten in Jaén - anklicken zum Vergrössern

In Jaén gibt es kaum Tourismus aus dem Ausland. Einige Verwandte führen das darauf zurück, dass die Stadt sich nicht zu verkaufen weiss, andere meinen, sie hat nicht viel zu bieten. Auch in Jaén finden sich eine Kathedrale, ein Castillo und ein Parador. Die Kathedrale ist prächtig von aussen und soll auch innen eine der schönsten von Andalusien sein, und von Castillo und Parador hat man einen weiten Rundblick. Die arabischen Bäder unter einem Palast aus dem 16. Jahrhundert sind angeblich die größten und am besten erhaltenen von ganz Spanien. Wir haben das Museum Centro Cultural Baños Arabes besucht (ist kostenlos) und waren beeindruckt vor allem von der Aussichtsterrasse auf dem Dach und jenen Arabischen Bädern im Keller. Aber auch die Stockwerke dazwischen bieten eine Menge Exponate der lokalen (nicht nur) Geschichte.

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In der Provinz Jaén werden 20 % der weltweiten Produktion von Olivenöl erzeugt. Es ist eine Industrie in großem Stil, in der zum Teil mit modernsten Maschinen gearbeitet wird. Wobei auch hier in manchen Betrieben immer mehr Wert gelegt wird auf ökologischen Anbau und Reinheit des Produkts. Wir kauften 15 Liter in allerbester Qualität von einer Erzeuger-Kooperative, den größten Teil als Mitbringsel für Familie und Freunde auf Mallorca.

 

Ein anderes Mitbringsel sind die vielen unbehandelten und in der Sonne gereiften Mandarinen, Granatäpfel, Kakifrüchte und Walnüsse aus dem Garten eines Cousins (jawohl, noch einer), in der Sonne gereift und einige selbst gepflückt. Dazu eingelegte Oliven und Wein aus eigener Herstellung. Wie gut, dass Maggie uns soviel Platz bietet!

ländliche Fülle - anklicken zum Vergrössern

Derselbe Cousin zeigte uns eine bezaubernde herbstliche IIdylle, die Jardines (Gärten) de Jabalcúz

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als letztes Foto aus der Umgebung von Jaén ein Beispiel für die Kraft der Natur
als letztes Foto aus der Umgebung von Jaén ein Beispiel für die Kraft der Natur

34| Kein Regen in Ronda

Am Abend in La Línea sassen wir in der Cafetería inmitten von Engländern, die sich über ihre weitere Route unterhielten. Einer sagte, dass man nach einem Besuch von Ronda Sevilla vergessen kann. Soweit würde ich auf keinen Fall gehen, schon allein, weil die beiden Städte wegen ihrer unterschiedlichen Grösse nicht zu vergleichen sind (fast 700.000 Einwohner in Sevilla, etwas über 34.000 in Ronda). Aber bemerkenswert und schön ist Ronda auf jeden Fall. 

 

Schon die Fahrt von der Costa del Sol nach Ronda beeindruckt mit der Überwindung von über 1.000 Höhenmetern in einem Rutsch, um danach wieder auf 740 m in der Stadt runter zu kommen. Mehr als 1.000 Meter bedeutet auch von einer hoffnungslosen Bebauung an der Küste zu felsiger Einsamkeit in den Bergen. Wir hatten Glück, kein Laster oder Bus vor uns zwang zum uns Bremsen, und Gabriel und Maggie einigten sich schnell auf den vierten Gang ohne Pause. In Ronda übertraf wieder einmal die Wirklichkeit mit viel Sonne die negative Wettervorhersage, der angekündigte Regen fiel vor allem nachts.

 

Der Stellplatz bietet fast alles ausser Schatten im Sommer, sogar die Möglichkeit sein Fahrzeug zu waschen für 1€/5Min. Wasserstrahler. Standplatz 10€/24 Std. Incl. Wasser und Entsorgung, Strom extra. 7 Steckdosen habe ich gezählt. Die Einfahrt ist für große Wohnmobile etwas unglücklich (seit zwei Tagen fragen wir uns, wie dieser Riesenschlitten zu unserer Rechten hier reingekommen ist), aber danach gibt es genügend Platz für jeden.

Stellplatz in Ronda mit den Koordinaten auf einem Hinweisschild in der Stadt 

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Das Besondere an Ronda ist der Tajo, eine Steilwand, die sich abrupt aus den Tiefen der  Landschaft erhebt und wie in Cuenca bis an den Rand bebaut ist. Eine solide Stein auf Stein gebaute Brücke führt über den Tajo von einem Stadtteil in den anderen. 

Brücke (puente nuevo) über den Tajo - anklicken zum Vergrössern

ein Weg mit Aussichtsplattformen (miradores) ringelt sich die Steilwand entlang mit Rundblick über Stadt und Land 

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Zum Rundgang kommt man durch einen dieser Tage herbstlich bunten Park. Er überrascht mit den Bildnissen auf Stein von Orson Welles und Ernest Hemingway, beide Fans von Ronda und vor allem seiner Stierkampfarena. Orson Welles wurde 2015 auf seinen Wunsch hin in Ronda beigesetzt. Im Museum der Arena präsentieren sich die beiden schwergewichtigen Männer auf Fotos in noch jüngeren Alter zusammen mit einem berühmten Torero.

Orson Welles und Ernest Hemingway in Ronda - anklicken zum Vergrössern

Unabhängig davon wie man über den Stierkampf denkt, die Arena von Ronda ist nicht zu Unrecht wegen ihrer aussergewöhnlichen Schönheit berühmt. Der Traum eines jeden Toreros ist es, von hier auf den Schultern heraus getragen zu werden - anklicken zum Vergrössern

Immer wieder finde ich die Ansicht bestätigt, dass man eine Stadt man besten auf der Suche nach etwas ganz Normalem erkundet. In Coimbra in Portugal suchte Gabriel nach einem Eisenwarenladen, weil er bestimmte Kleinteile brauchte, und wir entdeckten die vielen schmalen Gassen. In Zamorra waren wir auf der Pirsch nach Schuhen (ausnahmsweise für ihn!) und Schinken, was uns die Einkaufsmeile und schöne Fussgängerzone abklappern liess. In Ronda gaben wir den Namen einer uns empfohlenen Tapas-Bar in das Smartphone ein, das uns durch ganz normale Wohnviertel führte.                                                    anklicken zum Vergrössern

33| von La Línea de Concepción nach Gibraltar

Auf dem Weg nach Gibraltar wollten wir erst in Cadiz und/oder Tarifa Station machen, entschieden uns dann aber anders. Besser gesagt, zumindest  Cadiz entschied sich gegen uns (selber schuld). Der grosse gemischte Parkplatz auch für Wohnmobile ist gerade wegen Bauarbeiten geschlossen, nur Dauerparker dürfen bleiben, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. An der Einfahrt wurde uns als Ausweichmöglichkeit der Parkplatz des Parador genannt, auf dem angeblich Wohnmobile stehen dürfen. Leider war gerade die Einfahrt versperrt, von der wir glaubten es sei die richtige, und hinter und neben uns ein laut tönendes Hupkonzert, das wir nicht wirklich als Willkommensgruss interpretieren konnten. 

 

Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir weiter nach Tarifa. Ich weiss nicht, ob es an dem harten Licht-Schatten-Kontrast lag oder an meiner Tagesform, aber die schmucklosen, ehemals weissen Wohnblöcke mit den durchhängenden Wäscheleinen von Fenster zu Fenster empfand ich nicht als pittoresk, sondern sah darin einen Ausdruck der hohen Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit in dieser Región. Der Anblick von Menschen in Lumpen machte es auch nicht besser. Auf unseren Reisen sehen wir vielerorts Schmutz und Gerümpel, aber an diesem südlichsten Zipfel Europas ging mir das näher als sonst und gab mir zu denken. Vielleicht auch, weil zur Zeit so viele Afrikaner an den Küsten Spaniens mehr stranden als landen. Wir fuhren also nur einmal runter an den Hafen, von wo aus  wir tatsächlich Afrika sahen, und schickten Maggie wieder zurück auf die Landstrasse bis nach La Línea de la Concepción. Auf den Stellplatz am Yachthafen für 12 €/24 Std. incl. Wasser und Entsorgung. Auch Waschmaschinen gibt es und ein Restaurant/Cafetería.

Wohnmobil-Stellplatz im Parkplatz Alcaidesa Marina (am Yachthafen) - anklicken zum Vergrössern

Zuerst waren wir versehentlich auf dem Parkplatz Sta. Barbara gelandet, merkten unseren Irrtum aber schnell. Hier kostet der Womo-Tag sage und schreibe 32 € ohne jeglichen Service, die Stunde 3,90 €. Dafür guckt man dann auf den Parkplatzzaun mit dem alten Grenzzaun zu Gibraltar dahinter. Furchtbar!

Der lange Name der Stadt wird allgemein auf La Línea abgekürzt. Für Touristen (auch für uns) ist sie nichts weiter als eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Gibraltar, der englischen Enklave im Süden Europas. Viele Spanier und auch Engländer wohnen in La Línea und arbeiten in Gibraltar, pendeln jeden Tag. Entsprechend hoch ist die Verkehrsdichte. In den 24 Stunden, die wir dort und in Gibraltar waren, habe ich wenig Schönes gesehen. Was nicht heisst, das es das nicht auch dort gibt.

La Línea de la Concepción - anklicken zum Vergrössern

Gibraltar gehört seit Anfang des 18. Jahrhunderts zu Grossbritannien. Die politische, wirtschaftliche und steuerliche Situation ist nicht einfach und wird sich durch den Brexit in irgendeine Richtung bewegen. Plötzlich ist man in England. Telefonzellen und Briefkästen sind rot und in den Bars gibt es Fish & Chips. Preise werden in Pfund und in Euro angegeben und vor allem Alkoholika und Tabakwaren reichlich und ohne Steuern verkauft. Das lockt viele Tagesbesucher an. Der Verkehr ist unglaublich, und daneben die Fussgängerzone grösser als wir dachten. Platz ist knapp, weshalb in die Höhe gebaut wird. In der Altstadt gibt es aber immer noch schmale Gassen, lichte Plätze und alte Häuser.

 

Nicht vegessen: Personalausweis oder Reisepass mitnehmen! Wäre das Wetter besser gewesen, hätten wir eine Rundfahrt mit dem Touristenbus gemacht, so sieht man wahrscheinlich auch den Yachthafen und die Buchten und Strände auf der anderen Seite des Felsens. Auf den "Gipfel" fährt eine Seilbahn, was sich an unserem Regen- und Nebeltag nicht anbot. Mit dem Wohnmobil darf man nicht weiter als bis zu den Tankstellen, und für die Ersparnis von rund 10 Cent pro Liter lohnt sich das Verkehrsgewühle nicht.

Gibraltar - anklicken zum Vergrössern

Nicht zu glauben aber wahr: Gibraltar hat einen internationalen Flughafen! Die Flugzeuge starten und landen auf einer Bahn, die von der Hauptstrasse gekreuzt wird. Immer wenn ein Flieger kommt oder verschwindet, muss diese für alle Verkehrsteilnehmer von Lastwagen bis Fussgänger gesperrt werden. Zum Glück passiert das nur wenige Male am Tag. Wir sahen eie Militärmaschine starten und einen Easyjet-Charter landen.

 dieses Foto ist vergrösserbar, so seht ihr hinten die Flugzeuge auf der quer verlaufenden Bahn
dieses Foto ist vergrösserbar, so seht ihr hinten die Flugzeuge auf der quer verlaufenden Bahn

32| Sanlúcar de Barrameda

Für den Besuch von Sanlúcar de Barrameda fuhren wir auf einen Stellplatz ca. 4 km ausserhalb, der sich als vortrefflich erwies. Für 8 € (Nebensaison) gibt es Parzellen von 100 qm für jeden auf Rasen oder Sand (dieser stand nach acht Stunden Regen unter Wasser), Container mit Toiletten und Duschen, Waschmaschine und vor allem Pepe und Alfonso als extrem freundliche und hilfsbereite Betreiber (oder Personal der Betreiber?). Im Preis enthalten sind Wasser und Entsorgung und ein bestens funktionierendes WLAN. Strom 2 € am Tag, allerdings mit schwacher Leistung, aber Dank unseres Solarpanels brauchen wir keinen Strom von außen.

Stellplatz in La Jara - anklicken zum Vergrössern

Die Buslinie 3 bringt ihre Fahrgäste für 1,20 € in 15-20 Min. ins Zentrum von Sanlúcar de Barrameda. Wir hatten Pech mit dem Wetter und Glück mit einem super freundlichen Busfahrer, einem hochgewachsenen Andalusier mit dieser herrlich verwaschenen Aussprache. Ein klappernder alter Bus, ein lautes Radio und noch lautere Fahrgäste, die nur noch übertönt wurden von den Durchsagen aus der Buszentrale. Auf dem Hin- und Rückweg nach Stunden derselbe Mann, der uns in der Stadtmitte einsteigen liess mit der Bemerkung, er müsste zwar erst in eine andere Richtung, aber wir könnten schon mal einsteigen und mitfahren, der Preis sei derselbe. Und eine Frau fuhr er bis vor ihre Haustür, weil an der betreffenden Haltestelle alles unter Wasser stand. So konnte sie im Trockenen aussteigen. 

In Sanlúcar de Barrameda habe ich gelernt, dass manzanilla nicht nur das spanische Wort für Kamillentee ist, sondern auch für einen trockenen Sherry aus eben diesem Ort. So sitzen denn auch in jeder Bar die Gäste mehr oder weniger selig vor Sherrygläsern. Wir haben uns das verkniffen, aber 2 Fläschchen (1/2 l) eingekauft. Der Ort ist voll von Bars und Restaurants und durchaus sehenswert, wird aber fast nur von spanischen Touristen besucht.

Gabriel hat mich trotz Regen zum Strand geführt, wo wir Glück hatten und einen Container-Frachter vom Atlantik in den Fluss Guadalquivir eintreten sahen. Hier müssen grosse Schiffe die enge Kurve kriegen, wenn sie mit ihrer Fracht weiter nach Sevilla wollen. 

am Strand von Sanlúcar de Barrameda, im Viertel Bajo de Guia - anklicken zum Vergrössern

31| Sevilla die Schöne

auf dem Weg nach Sevilla grüsst der Osborne-Stier hoch über den noch lebenden Schinken
auf dem Weg nach Sevilla grüsst der Osborne-Stier hoch über den noch lebenden Schinken

Sevilla ist sooo schön! Damit beziehe ich mich naturlich auf den Teil der Stadt, den ich gesehen habe, den man gesehen haben muss. Sevilla ist die viertgrösste Stadt Spaniens, in ihr leben fast 700.000 Einwohner. Was Touristen davon sehen ist die historische Altstadt mit ihren Monumentalbauten und Parks und das Viertel Triana auf der anderen Seite des Flusses Guadalquivir. Es gilt als eine der Geburtsstätten des Flamenco. Hier lebten (und leben?) die Seeleute und Handwerker und die Roma, auf spanisch Gitanos. 

 

Wir übernachteten auf dem gemischten Parkplatz Las Razas, von dem aus man in 15 Minuten zu Fuss in der Altstadt ist. Ein im Herbst 2018 etwas heruntergekommener Parkplatz mit lautem Rangieren von Bussen und Lastwagen. Die Gebühr für Wohnmobile beträgt 15 €/24 Std. incl. Wasser, Entsorgung und Strom. Theoretisch eine gute Sache mit je einer Versorgungssäule für 2 Fahrzeuge. Leider sind die Plätze für Wohnmobile nicht gesondert gekennzeichnet, weshalb viele von PKWs genutzt werde. Das Häuschen am Eingang ist rund um die Uhr besetzt, und nach wenigen Metern erreicht man einen Supermarkt.

Parkplatz Las Razas - anklicken zum Vergrössern

Auf der anderen Flussseite liegt der Parkplatz Puente de Los Remedios. Hier ist es sehr viel schöner zum gleichen Preis, allerdings ohne jeglichen Service, und etwas näher zur Altstadt. Mit Glück erwischt man einen Platz direkt über dem Flussufer und hat einen tollen Blick aufs Gegenüber.

Parkplatz Puente de los Remedios - anklicken zum Vergrössern

Sevilla gelangte im 16. und 17. Jahrhundert zu Ruhm und Wohlstand als Handels- und Kulturzentrum. Die Stadt war führend im Überseehandel und verdiente mit der Einfuhr nicht nur von Silber einen Batzen Geld, was zur Förderung der schönen Künste und der Wissenschaft führte. Die Universität ist zum Teil in der alten Tabakfabrik untergebracht und absolut sehenswert.

Plaza de España im Parque de Maria Luisa - anklicken zum Vergrössern

Palacio de San Telmo, Sitz  derJunta de Andalucia (Landesregierung) - anklicken zum Vergrössern

das Konsulat von Kolumbien in einem alten herrschaftlichen Gebäude - anklicken zum Vergrössern

Hotel Alfonso, DAS Hotel in Sevilla (unbezahlte Werbung) - anklicken zum Vergrössern

die Brücke Isabel II führt ins Barrio Triana und wird auch Puente de Triana genannt - anklicken zum Vergrössern

das Viertel Triana, alt und modern in lebendigem Miteinander - anklicken zum Vergrössern

wie gesagt, Sevilla ist sooo schön - anklicken zum Vergrössern

30| Minas de Riotinto

In Bars und Restaurants bestellen wir Vino Tinto = Rotwein, und rot ist auch der Fluss Rio Tinto in der Provinz Huelva in Andalusien. Obwohl ich wirklich sehr aufmerksam durch sämtliche Räume des Museums gegangen bin und eineinhalb Stunden in einem klapprigen Touristenzug durch die Minen fuhr, haben sich mir die chemischen Prozesse nicht erschlossen, die zu dieser aussergewöhnlichen Färbung führen. Aber soviel habe auch ich begriffen: Der Rio Tinto fliesst durch ein Gebiet mit extremen Eisen- und Kupfervorkommen, die schon von den alten Römern abgebaut wurden.  

 

Das und die Tatsache, dass die Minen von Engländern gekauft und betrieben wurden, macht einen Besuch wirklich interessant. Auch im Dorf haben die Engländer Spuren hinterlassen, vor allem in der Architektur. Es gibt sogar ein barrio inglés, ein englisches Viertel.

Das Museum ist sehr gut aufgebaut, und vieles erschliesst sich auch ohne Spanischkenntnisse. Vor allem der Gang durch einen nachgebauten Stollengang in Originalgrösse macht körperlich spürbar, welche Sklavenarbeit hier durch Jahrtausende verrichtet wurde. Die Fahrt mit dem Zug durch die Minen ist nichts für Bandscheibenkranke und vor allem bei klarem Wetter eindrucksvoll, wenn sich die Farben der verschiedenen Metalle voneinander abheben. Während die alte Lok für die Rückfahrt ihren Platz wechselt, gibt es einen Halt von ca. 15 Minuten, der zum Fotografieren genutzt werden kann. 

 

Übernachtet haben wir problemlos im Zentrum auf dem Pakrplatz vor dem alten Verwaltungsgebäude und sind von dort morgens um zehn auf den Parkplatz des Museums gefahren, wozu uns der Mann an der Kasse geraten hatte. 

rechts das ehemalige Verwaltungsgebäude mit unserer Maggie auf dem Parkplatz
rechts das ehemalige Verwaltungsgebäude mit unserer Maggie auf dem Parkplatz

Rio Tinto und sein Gestein am Ufer - anklicken zum Vergrössern

29| Jungfrau in Rocio

Vor Jahren fand ich  den bayerischen Schuhplatter in einem Sprachbuch Deutsch für Ausländer beschrieben als typisch deutschen Volkstanz. Und wirklich verwechseln viele Ausländer bayerisches Volkstum mit typisch deutschem Brauch. Aber was hat ein Dirndl mit der Tracht in Nordfriesland zu tun? Genauso geht es den Spaniern. Die Basken schütteln den Kopf über Tanz und Gesang des Flamenco, der aus Andalusien stammt und von den Deutschen irrtümlich für typisch spanisch gehalten wird. 

 

Rocio ist für mich ein unfassbarer Ort und Brauch. 100 Prozent andalusisch. Einmal im Jahr trifft sich in diesem Dorf, dessen Strassen aus festgetretenem Sand bestehen, alles was in Andalusien mit Rang und Namen das alte Brauchtum erhalten will. Mit Pferd und Wagen,  in den "Flamenco"-Kleidern und passenden Trachten für die Caballeros, gilt Sehen und Gesehen Werden. Im Mittelpunkt steht die Virgen (Jungfrau), die nichts mit der Jungfrau Maria und Mutter von Jesus zu tun hat. Es gibt Umzüge und Feiern in jedem Haus und man wetteifert unter der Hand, wer die meisten Gäste bewirten kann. Ein teures Spektakel. dazu gehórt auch, dass in noch nächtlichen Morgenstunden junge Männer in die Kappelle eindringen, über das Absperrgitter klettern und die Virgen rauben, um sie durch den Ort zu tragen. Unerklärlich nicht nur für mich, ich habe auch noch keinen Spanier gefunden, der mir den Begriff Rocio und das ganze Drumherum vernünftig darlegen konnte. Vielleicht weil in jeder Volksseele etwas Unerklärliches, Mystisches schwingt.

Wir fanden bei unserem Besuch geöffnete Souvenirläden vor und einige wenige Bars / Cafeterías, die ihre Terrassen trotz Regenpfützen mit Tischen und Stühlen bestückt hatten. In der Kapelle die Jungfrau umgeben von viel Gold und einigen Besuchern, die wie ich das dezente Fotografierverbot übersahen. Wir haben aber auch ein junges Paar gesehen, dass mit Blumen im Arm die Kapelle betrat, und einige Spanier, die still auf den Bänken verharrten.

die Virgen von Rocio - anklicken zum Vergrössern

Flaniermeile am Dorfrand - anklicken zum Vergrössern