Grüßaugust auf dem Armaturenbrett

 

In den Siebzigern, wir lebten in einer Wohngemeinschaft, hatte mein damaliger Freund lange Haare, linke Ideen und eine lahme Ente. Als Antriebshilfe von außen diente eine eiserne Kurbel, über den robusten Knauf der Revolverschaltung konnte ich meinen Jutebeutel hängen. Das Dach rollten wir auf wie bei einer Sardinenbüchse, und mit Schwung klappten wir die Seitenfenster hoch, ließen die Ellenbogen draußen. Das fanden wir schick.

 

Dieser Citroen 2CV war so cool und lässig wie wir selbst es gern gewesen wären. Entenfahrer fühlten sich als etwas Besonderes und grüßten einander, obwohl die meisten das Auto nur deshalb fuhren, weil es eines der billigsten war. Ein typisches Studentenauto.

Das kann man von Wohnmobilen nun wirklich nicht behaupten. Sie sind groß und teuer und werden immer noch mehrheitlich von Weißschöpfen gefahren. Aber auch die fühlen sich irgendwie besonders und grüßen einander.

 

Beim ersten Mal dachten wir noch, wir machen etwas falsch. In einem klapprigen Mietmobil rappelten wir über eine abgelegene Landstraße, als uns ein Luxusliner entgegenkam. Der Fahrer hob nicht nur die linke Hand und deutete gar ein Winken an, er neigte auch kurz den Kopf zu uns rüber. Deshalb glaubten wir, er wolle uns auf irgendetwas aufmerksam machen und hielten bei nächster Gelegenheit an. Wir fanden nichts Anstößiges.

 

Beim zweiten Mal glaubten wir noch an eine Verwechslung, beim dritten hatten wir es endlich begriffen und grüßten höflich zurück. Alle beide, vor lauter Begeisterung. Mittlerweile sind wir entspannter und entscheiden von Fall zu Fall. Zu Zeiten und in Gegenden, wo sich die Womos häufen und fast Kolonne fahren, erübrigt es sich. Ansonsten warten wir ab, ob der Entgegenkommende die Hand oder den Zeigefinger hebt, dann tun wir es auch. Wenn es die Verkehrssituation zulässt. Schließlich geht Sicherheit vor Höflichkeit.

 

Geradezu überschwänglich gerät mitunter der Gruß von Frau zu Frau. Die Freude über eine Geschlechtsgenossin am Steuer kann schon mal zu Siegergrinsen und verschworenem Winken führen.

 

Wenn der aktuelle Boom in der Branche anhält und die Verkaufszahlen weiter steigen, sollten wir vielleicht über die Anschaffung einer dieser kleinen güldenen Blechfiguren nachdenken, die immer und immer wieder mit dem erhobenen Arm wackelt. Die könnten wir dann auf dem Armaturenbrett auf der Fahrerseite anbringen. Wenn ich sie nur nicht so über alle Maßen scheußlich fände...

 

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