über mich gibt es nicht ...

... so sehr viel zu sagen. Mit Jahrgang 1952 sitze ich auf einem stattlichen Haufen Jugend, dank pünktlicher Rentenzahlungen aus Spanien und aus Deutschland bequem und sicher. Dummerweise gehorcht dieser Haufen einem blöden Gesetz der Physik und bröckelt an den Rändern unaufhaltsam vor sich hin. Da hilft nur eines: Augen auf und durch! Am liebsten auf Reisen mit dem Wohnmobil.

 

Das Alter kann ich mir beim besten Willen nicht schön reden (was soll an diesem age so best sein?), aber ich bin dankbar, es gesund und munter erreicht zu haben. Das ist Luxus. Schön trinken klappt schon eher, egal ob mit Rotwein aus La Rioja oder Rivaner vom Kaiserstuhl. Gerne auch mit Gin Tonic, und am liebsten mit Gleichgestimmten. Am allerliebsten mit Gabriel, meinem spanischen Lebens- und Reisebegleiter. Er ist das beste, was mir in meinem Leben passiert ist.

 

Für Sport habe ich rein gar nichts übrig. Ich weiß nicht, von wie vielen Info-Tafeln in Turnvereinen und Fitnessstudios ich schon Angebote und Preise auf Schmierzettel abgeschrieben habe, um sie nach Wochen von der Pinnwand zu pflücken und wegzuschmeißen. Manchmal mit, manchmal ohne schlechtes Gewissen.

 

Aber ich bewege mich gern, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, und hampel auch mehr oder weniger regelmäßig zuhause rum, schwinge Arme und Beine in alle möglichen Himmelsrichtungen. Die optimale Gymnastik im Wohnmobil, zwischen Kühlschrank und Spüle, von der Küche bis zur Fahrerkabine suche ich allerdings noch.

 

Ich ernähre mich gern gesund und bemühe mich um Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Biologie und Ökologie. Manchmal aber überfällt es mich, und dann sündige ich genauso gern und konsequent und gegen alle Vernunft. Schütte mir das Olivenöl literweise aufs Tomatenbrot und lasse das Duschwasser stundenlang am Körper runterlaufen, ohne Sinn und Verstand. Aber solche Attacken werden immer seltener.

 

Kopfputz finde ich schöner als Hausputz und steht mir auch besser. Wenn es schon sein muss, putze ich zehnmal lieber unser Wohnmobil als die Wohnung. Das ist ein bisschen wie Hausfrau spielen in der Puppenstube, genauso wie das Hantieren mit Kochtopf und Gasanzünder auf dem Quadratmeter, den die Wohnmobil-Hersteller Küche nennen. In unserem Fall sogar Gourmet-Center.

 

Ich bin Frühaufsteherin und Spätzünderin, und beides bekommt mir gut. Mit 43 habe ich den Öffentlichen Dienst verlassen für einen riskanten Umzug nach Mallorca, ohne Arbeit und ohne Bleibe, mit 50 einen guten Job eingetauscht für die freiberufliche Unsicherheit als Malerin, mit 57 meinen gleichaltrigen Mann vom Mittelmeer kennengelernt, ihn mit 59 geheiratet und mit 63 zusammen mit ihm unser Wohnmobil gekauft. Mit nichts weiter als sechs Tagen Erfahrung in einem klapprigen Mietmobil, aber verliebt in diese Art zu Reisen. Eine Verliebtheit, die wir teilen und mit immer größerer Begeisterung auf immer längeren Reisen regelmäßig auffrischen.

 

Und die bin ich auch: http://www.annaguirado.com