Ich bin fremdgegangen und bereue nichts

Das Wochenende vor Ostern verlängerte ich auf fünf Nächte, ließ Gabriel und Maggie auf Mallorca zurück und flog (!) nach Hamburg, wo ich mich in einem Hotel (!) einquartierte. Ich wollte Zeit verbringen mit Verwandten und Freunden an verschiedenen Orten und wohnte im Hotel Alt-Nürnberg in unmittelbarer Nähe vom Hauptbahnhof. Die Einrichtung hält, was der Name verspricht, Bayern inmitten der Hansestadt. Vor einigen Jahren logierten Gabriel und ich schon einmal zusammen dort, und auch dieses Mal war es wieder eine gute Erfahrung. Im Zentrum und doch einigermaßen ruhig. Familär geführt mit persönlicher Betreuung. Ich fühlte mich nicht als Kunde, sondern als Gast. Dreimal genoss ich ein reichhaltiges Frühstück, das mir am Tisch serviert wurde mit der Frage, wie ich denn gern mein Ei hätte. 

 

Der Fernseher gab den gewünschten Sender nicht her? Kein Problem. Vor allem kein stundenlanges Rotieren der Satellitenschüssel auf dem Dach, keine nervige Suche nach einem besseren Parkplatz ohne Bäume oder hohe Mauern, die den freien Zugang zwischen Satellit und Empfänger behindern, und am Ende kein frustriertes "na, dann eben nicht". Beim Verlassen des Hotels machte ich eine kurze Ansage an der Rezeption, und als ich wiederkam, lief die Glotze einwandfrei. 

 

Ich liebe das unabhängige Reisen im Wohnmobil, aber diese paar sorglosen Tage im Hotel waren eine schöne Abwechslung und für mich purer Luxus. Denn was ich auch liebe, sind an mir erbrachte Dienstleistungen. Ein gemachtes Bett, ein geputztes Bad und ein neues Duschtuch, nichts muss ich selbst machen. Dazu noch ein Schuhanzieher an der Garderobe, eine Waage im Badregal und ein Wasserkessel mit Kaffee- und Teebeutel im Zimmer, und schon habe ich den Kopf frei für Besuche und Besichtigungen. 

 

Und jetzt freue ich mich wieder sehr auf unsere nächste gemeinsame Reise im Wohnmobil!

 

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Auf der Suche nach dem Haus, in dem ich 1952 geboren wurde und etwas mehr als die ersten sechs Lebensjahre verbrachte, spazierte ich unter nordischer Sonne durch Eppendorf, am Isebekkanal entlang und landete schließlich in Hoheluft-West. In der Mansteinstraße im Generalsviertel wurde ich fündig. Allerdings war das Haus wegen Renovierungsarbeiten verhüllt wie ein Kunstwerk von Cristo, nur der Eingang mit einer weiß gestrichenen Jugendstiltür war zu sehen. Die Straßen in diesem kleinen Viertel sind allesamt nach preußischen Generälen bennannt. General Erich von Manstein war ein führender General im Zweiten Weltkrieg, wurde danach zu einer jahrelangen Haftstrafe verurteilt und beriet später in inoffizieller Funktion die Bundesregierung beim Aufbau der Bundeswehr. Von all dem wusste ich als Kind natürlich nichts.

 

Damals war es ein altes Haus und unsere Wohnung hatte weder Badezimmer noch  heißes Wasser in der Küche. Heute steht das Viertel hoch im Kurs bei Anlegern, die Mietwohnungen in Luxus-Eigentumswohnungen umwandeln. Wahrscheinlich auch in Ferienapartments für Airbnb. Aber die Stadtverwaltung ist aufgewacht und beginnt nicht nur die Architektur zu erhalten, sondern auch die Mieter unter "Milieuschutz" zu stellen. Ich hoffe sehr, dass es gelingt! Und nicht nur hier.

 

Eppendorfer Weg
Eppendorfer Weg
Isebekkanal - Wohnen mitten in der Stadt mit dem Boot vor dem Hintereingang
Isebekkanal - Wohnen mitten in der Stadt mit dem Boot vor dem Hintereingang
Edel edel dieser Innenhof, von dem ich nicht mehr weiß, zu welcher Straße er gehört, und nicht wissen möchte, was das Wohnen dort kostet
Edel edel dieser Innenhof, von dem ich nicht mehr weiß, zu welcher Straße er gehört, und nicht wissen möchte, was das Wohnen dort kostet
Kottwitzstraße, auf alten Fotos sieht man solche Häuser weiß gestrichen
Kottwitzstraße, auf alten Fotos sieht man solche Häuser weiß gestrichen
Mansteinstraße mit einem Wohnmobil vorm Haus, schräg gegenüber wurde ich geboren
Mansteinstraße mit einem Wohnmobil vorm Haus, schräg gegenüber wurde ich geboren