Fremd im eigenen Bett

Als ich aufwache, liegt mein Liebster wie immer an meiner rechten Seite. Er schläft fest. Kein Schimmer dringt durch das Dachfenster über uns, es muss noch mitten in der Nacht sein. Im Wohnmobil ist es seltsam dunkel. Die grünen Lämpchen am Kühlschrank leuchten genauso wenig wie der rote Knopf in der Fahrerkabine; und links von meinen Füßen, vor der Toilette, fehlt das diffuse Blau des Gas-Alarms an der Wand. Nicht das erste Mal, dass ich vergessen habe ihn einzuschalten. Oder haben wir etwa keinen Strom mehr?

 

Egal. Das hilft jetzt alles nichts, ich muss raus aus dem Bett. Ich muss dringend pinkeln, meine Blase ist kurz vorm Platzen. Zum Klo sind es keine zwei Schritte, tausend mal geschlurft, das werde ich ja wohl auch in der schwärzesten Finsternis noch schaffen.

 

Linkes Bein raus, rechtes Bein raus, rein in die Schlappen. Sie warten an derselben Stelle wie immer. Rechtes Bein vor, linkes Bein vor - komisch, wieso sind das heute mehr als zwei Schritte? Bevor ich mich groß darüber wundern kann, macht es Wumm und ich schlage mit Knie und Hand voll gegen etwas Hartes. Autsch!

 

Mein Held wacht auf, brummt Unverständliches und macht Licht. Eine schwache Funzel nur, aber genug, dass mir ein Licht aufgeht: Wir sind im häuslichen Schlafzimmer. Langsam dämmert es mir, dass wir schon vor zwei Tagen zurück gekommen sind nach fast drei Monaten unterwegs sein mit dem Wohnmobil.

 

Ich bin fremd im eigenen Bett und wundere mich immer noch, warum es bei unseren Bewegungen nicht leise schaukelt. Ich bin fremd im Schlafzimmer und knalle auf dem falschen Weg zur Toilette gegen die Schubladen-Kommode. Und ich bin fremd in unserer Küche. Kriege fast unsere neue Kaffeemaschine kaputt, weil ich sie bediene wie die alte. Starre auf den Thermomix und frage mich, was ich damit anstellen soll. Gleichzeitig freue ich mich über die farbenfrohen Espressotassen, die ich kurz vor unserer Abreise gekauft und dann vergessen habe, genauso wie die neuen Stuhlkissen und die Sets auf dem Tisch.

Das sehen wir, wenn wir aus dem Haus gehen. Ist doch auch nicht schlecht, oder?
Das sehen wir, wenn wir aus dem Haus gehen. Ist doch auch nicht schlecht, oder?

Zum Glück gibt es fordernde Enkel und Wiedersehen mit guten Freunden, schönes Wetter und freundliche Nachbarn. Der Park vor der Haustür unseres Wohnblocks in der Stadt ist genauso herbstlich schön wie die von unterwegs. Nach einer Woche und mindestens tausend Waschmaschinen-Füllungen komme ich zu hause an, fühle mich wohl und will sooo schnell auch nicht wieder weg.

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