Von wegen E-Bikes sind nur was für 70+

Für Menschen, deren Kraft nicht mehr Schritt hält mit den Plänen im Kopf Oder für Jüngere, die sich tragen lassen wollen, keine Nerven mehr haben für Anstrengung.

 

Ich konnte und wollte noch selber strampeln . So dachte ich jedenfalls bis zu jener Radtour im Juni. Wir waren in Füssen und hatten ganz und gar keine Lust, uns von Gold und Glanz im Inneren von Schloss Neuschwanstein blenden zu lassen.  Stattdessen wollten wir mit dem Rad die Landschaft erkunden. Unsere Birdies von Riese und Müller tragen uns seit fast 10 Jahren ohne Fehl und Tadel durch Stadt und Land und werden wahrscheinlich länger durchhalten als wir selbst. Trotzdem war dies nicht der schlaueste Gedanke, wenn man bedenkt, dass ich überzeugter Flachlandtiroler bin. 

 

In der Touristen-Information überreichte mir der freundliche junge Mann ein Faltblatt mit mehreren Touren. Mit Bildern von der schönen Landschaft, genauen Angaben über Länge und Schwierigkeitsgrad und wie viele Höhenmeter zu überwinden waren. "Wir nehmen die 30 km, da haben wir nur 170 m Höhenunterschied" frohlockte ich im Sonnenrausch, und schon gings los. Das Frohlocken verging mir schnell. Das mit den 170 Metern mag ja stimmen, nur ging es die mehrmals hoch hinaus und wieder runter. So kamen wir laut Gabriels Handy-App auf ingesamt satte 540 m Steigung. Kein Problem für die kleinen Räder mit ihren acht Gängen.

 

Ein grosses Problem aber für mich! Und eine Gefahr für unser Eheleben. Ab der dritten Steigung entpuppte sich das zänkische Weib in mir mit hochrotem Kopf und pfeifender Stimmlage, irgendwo zwischen zickig und grimmig. Wieder im Womo verkroch sich Gabriel für mehrere Stunden im Internet und forschte nach Elektrorädern, die wir am besten noch auf dieser Reise in Deutschland kaufen sollten. Um des lieben Friedens Willen. Und weil er nicht allein radeln wollte. Und weil ich auf dem Klapprad sowieso spätestens nach 25 Kilometern schlapp mache. Ohne Steigungen! Und weil wir mit 66 Jahren auf dem Buckel alt sind.

 

Wir brauchten von  Bayern bis Ostfriesland, im Ammerland war es dann soweit. Wir mussten eine Fahrradwerkstatt aufsuchen, weil sich eine Speiche von Gabriels Hinterrad gelöst hatte. Das Geschäft verliessen wir ohne eine neue Speiche, dafür aber mit zwei niegelnagelneuen Elektrorädern. Als Vorjahresmodelle der Firma Raleigh waren sie deutlich im Preis heruntergesetzt. Es ist uns wurscht, ob wir auf Rädern vom letzten oder vorletzten Jahr sitzen. Auch wollen wir nicht 5.000 Euro und mehr aussen am Womo spazierenfahren. Danke also an die Firma Henco in Westerstede für die gute Beratung und Betreuung vor und nach dem Verkauf.

 

Vor allem lernte ich, dass man auch auf E-Bikes selber strampeln kann soviel man will. Es liegt am Fahrer, wieviel Beinkraft er einsetzen will und kann in Kombination mit den verschiedenen Stufen des Motors. Bei uns geht das von Off (ausgeschaltet) über Eco, Tour und Sport bis hin zu Turbo. Jetzt verstehe ich auch, warum davon abgeraten wird erst im hohen Alter mit Elektrorädern zu beginnen. Es ist gar nicht so einfach, die verschiedenen Stufen richtig einzusetzen. Ich musste auch erst lernen, mich nicht von den 25 kg Gewicht und der Motorkraft beherrschen zu lassen. Um Gabriels Rücken zu schonen, heben wir die schweren Räder nur zu Zweit auf den Träger.  Aber wir sind happy, dass sich unser Radius mit dem Umstieg auf Elektroräder mehr als verdoppelt hat. 

 

Danke auch an Rauert Reisemobile  in Westerstede, wo uns auf unkomplizierte und sympathische Weise gezeigt wurde, wie wir die schweren Räder sicher auf unserem Fahrradträger anbringen können. Wir brauchten nur einen zusätzlichen Befestigungsarm und etwas Hilfe, und schon konnte es losgehen. 

 

Das Drama begann später. Doch dazu in einem der nächsten Posts. Jedenfalls sind wir auf der Suche nach einem Fahradträger, der am Chassis befestigt wird und auf der Fahrbahn hinter uns rollt. Also wieder einmal Folgekosten!

Dieses Bild zeigt jetzt unsere Heckkamera. Wenn wir die Räder ordentlich verpacken, sehen wir gar nichts mehr.
Dieses Bild zeigt jetzt unsere Heckkamera. Wenn wir die Räder ordentlich verpacken, sehen wir gar nichts mehr.

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