Aktuelle Reise 2019/II - Beginn unten auf der Seite

 

Hier unsere Reiseroute durch die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland, über die nummerierten Orte gibt es ausführlichere Berichte:

 

LITAUEN:      16| Druskininkai - 17| Trakai - 18| Vilnius - 19| Kaunas - 20| Zalvariai

LETTLAND:   21| Sigulda

ESTLAND:      22| Tartu 

 

 Die Ortsnamen sind nicht immer ganz richtig geschrieben. In der baltischen Schriftsprache gibt es einige Zeichen, die meine Tastatur beim besten Willen und Probieren nicht hergeben will.

 

 

 

Auf dem Weg nach Tartu waren die Straßen in besserem Zustand als ihn Litauen und Lettland, obwohl wir auch dort bislang keine größeren Schwierigkeiten hatten. Vor allem aber fiel uns der Unterschied in den Bushaltestellen auf. Die am Straßenrand in Estland sind allesamt nicht nur überdacht, sondern von drei Seiten geschützt. Manche bestehen aus einem hübschen Holzhäuschen, andere aus Metall oder Ziegeln, aber immer kann der Wartende sich vor Wind und Wetter schützen. In Litauen und Lettland dagegen findet sich gerade mal eine schmale Bank, ohne Rücklehne, daneben ein Mast mit dem Haltestellenschild, und sonst nichts. Rein gar nichts.

 

Und dann wird es heavy:

diese auch nicht mehr ganz so knackigen Jungs sind der Grund für ein Overbooking auf dem Stellplatz
diese auch nicht mehr ganz so knackigen Jungs sind der Grund für ein Overbooking auf dem Stellplatz

 

Am 17. Juli treffen wir auf dem Stellplatz am Hafen in Tartu ein, und gleich zur Begrüßung wird  uns und anderen Neuankömmlingen klargemacht, dass wir wegen des Konzerts am 18. Juli nur eine Nacht bleiben können. "We are overbooked". Macht nichts, länger wollen wir sowieso nicht bleiben. Für das Konzert kommen Fans in Wohnmobilen und Campern aus allen drei baltischen Ländern, aber auch viele Finnen, die die meisten Fahrzeuge auf de Platz stellen.

 

Der Hit sind zwei Männer aus Litauen, die wegen ihres zu kurzen Stromkabels mit uns ins Gespräch kommen. "It's the first time that we rent a fucking camper" flucht einer lachend, weil er mit der Elektrik nicht zurecht kommt. Als sie hören, dass wir den weiten Weg aus Spanien bis hierher gemacht haben, fragen sie uns mehrmals mit großen Augen: "What are you doing here? This is the ash of the world!". Sie schwärmen von Deutschland und von Spanien und können überhaupt nicht begreifen, dass wir freiwillig so weit gefahren sind, bis zum angeblichen Arsch der Welt.

 

Sie spiegeln die Haltung vieler junger und zum Teil gut ausgebildeter Menschen vor allem in Litauen und Lettland wieder, die es ins europäische Ausland zieht. So viele verlassene Dörfer haben wir schon gesehen und auch verfallende Häuser in den Städten.

 

der Stellplatz liegt am Fluss Embajögi (Embach), der durch die Stadt fließt
der Stellplatz liegt am Fluss Embajögi (Embach), der durch die Stadt fließt

 

Von der Marina gehen wir auf einer vielbefahrenen Hauptstraße parallel zum Fluss in die Altstadt, vorbei an modernen Bauten mit Einkaufszentren, Fitnessclubs und Hotels. Danach geht es gemütlich weiter auf der Promenade, wo bei dem heute schönen Wetter mit immerhin 22 °C die Einheimischen flanieren und es sich in den Bars geht gehen lassen. 

Auch Tartu hatte von 2013 bis 2019 einen Bevölkerungsschwund von rund 5 % zu verzeichnen, aber man sieht die Anstrengungen der Stadt, die Menschen zu halten. Und wir sehen zum ersten Mal in einer Stadt unter 100.000 EW alle gängigen Marken versammelt, von H&M über Zara und ecco, und wem das Shopping zu anstrengend wird, kann sich bei McDonalds stärken. Diese Unternehmen wären nicht hier, würden sie nicht Profit machen oder sich zumindest erhoffen.

 

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Die Altstadt von Tartu gefällt mir mit ihren hellen Häusern in der Fußgängerzone. Uns fällt auch auf, dass wir hier weniger Vernachlässigung und Verfall sehen als zuvor in Litauen, anscheinend läuft die Wirtschaft in Estland besser. Tartu ist eine alte Universitätsstadt, wir sehen viele junge Leute auf der Straße, in Terrassencafés oder auch im Park abhängen. Tartu ist allemal einen Besuch wert; die Stadt ist so lebendig und vielseitig und dabei (noch?) nicht überlaufen.

 

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21| Sigulda in Lettland

Die Vertreibung aus dem Paradies ist brutal mit ca. 300 km Fahrt durch zum Teil dichten Regen. Von den litauischen Autobahnen sind wir ja schon Bushaltestellen und Abzweigungen in den Wald gewohnt, aber heute kommt es noch besser mit Radfahrern (erlaubt!), Ampeln vor Zebrastreifen und als Gipfel die Möglichkeit, mit kühnem Schwenk auf einer Wendespur die Fahrtrichtung zu wechseln. Ich erschrecke mich fast zu Tode, als ich gerade auf der linken Spur einen Laster überhole und von noch weiter links ein Pkw auf seiner Spur zum Richtungswechsel vor mir einschert. Ufff!

 

Viele verlassene und verfallende Höfe passieren wir, die Landflucht ist offensichtlich.

 

Aber uns kommen wieder Wohnmobile entgegen, mindestens ebenso viele wie in der gesamten Zeit vorher im Baltikum. Meine Vermutung bestätigte sich: Auf dem Parkplatz in Sigulda vor dem alten Schloss standen außer uns nur Womos mit deutschen Kennzeichen, vor allem aus Hamburg und Kiel. Irgendwann kam noch ein Italiener dazu.

 

Parkplatz vor dem Schloss, auf dem die Übernachtung von Wohnmobilen geduldet wird
Parkplatz vor dem Schloss, auf dem die Übernachtung von Wohnmobilen geduldet wird

 

Sigulda ist ein überaus gepflegter Ort mit großzügigen Grünflächen, gestutztem Gras und viel arrangiertem Blumenschmuck. Und dem besten Restaurant, in dem wir bisher im Baltikum gegessen haben. Dort sind wir hungrig die ersten Gäste und haben Glück, denn fast alle Tische sind reserviert. Als alle  ihre Plätze eingenommen haben, höte ich um uns herum ausschließlich Deutsch in diversen Mundarten. Außer in den Gesprächen auf englisch mit der freundlich professionellen Bedienung. Unser Abendessen mit Carpaccio von Octopussy als geteilter Vorspeise, Zanderfilet für mich und Lammschulter für Gabriel + einer Flasche Chardonnay aus Argentinien war den Preis von 59 € allemal wert. 

 

 

Nach dem guten Essen am Abend steigen wir am nächsten Morgen trotz Fahrstuhlangebot die Treppen zum Turm der nicht mehr vorhandenen Burg hinauf und danach noch alle möglichen Treppen auf dem Gelände rauf und runter. Wie üblich ist ein Gebäude gerade wegen Restauration geschlossen. Ansonsten, was soll ich sagen? Viele alte Steine, dazu ein paar neuere Ziegel, die ganze Anlage super gepflegt und innen mit dicken neuen Holzkonstruktionen gestützt. Wie schon  in Trakai rollen kurz vor der morgendlichen Öffnung Busse auch mit spanischen Touristen auf den Parkplatz, und die Touristen strömen in Scharen durch das Eingangstor..

 

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Der Nationalpark Guaja zwischen Sigulda und Vamiera hat außer Wald noch eine weitere Burg zu bieten und vieles mehr, aber wir haben die Wetteraussichten für den nächsten Tag gesehen und wollen weiterziehen nach Lettland.

20| Paradise now in Zalvariai

Vergangenen Sommer lag das Paradies für uns in Dänemark, in diesem Juli finden wir es auf einer Insel in einem kleinen See in dem Dorf Zalvariar in Litauen. Über eine schmale Holzbrücke gelangen wir auf die Insel und finden das Schild über zugelassene 12 t sehr beruhigend.

 

über diese Brücke gelangen auch Lastwagen beladen mit Baumaterialien auf die Insel
über diese Brücke gelangen auch Lastwagen beladen mit Baumaterialien auf die Insel
sooo viel Platz nur für uns
sooo viel Platz nur für uns

 

Der Campingplatz (Kempingas) Obouliy Sala ist für uns genial mit seinen grünen Parzellen, die jede nicht nur über Picknicktisch- und Bänke, Strom- und Wasseranschluss, sondern auch über eine Grauwasserableitung verfügen. Zudem haben wir das Glück, nach einem vollbelegten Juni fast allein zu sein. Das Restaurant im Zentrum des Platzes hat eine kleine Karte mit  guter Küche, die wir am ersten Mittag gleich nach unserer Ankunft ausprobiert haben. Zur Insel gehört ein kleiner Badestrand mit Rutsche für Kinder, eine Saune mit Teich zum Reinspringen, Tennisplatz und Kinderspielplatz sowie ein Gemüsegarten für die frischen Produkte im Restaurant. Und eine Holzwerkstatt, die Gabriels Herz höher schlagen ließ.

 

In aller Ruhe kann Gabriel auf diesem Campingplatz die Aufteilung der Garage verfeinern, den Grauwassertank und alle Leitungen durchspülen und endlich seinen Werkzeugkasten putzen und neu sortieren.

 

Und ich schicke unsere gesammelte Schmutzwäsche wieder einmal durch drei Waschmaschinen und Trockner, dazu noch ein wenig Handwäsche und ein etwas gründlicherer Hausputz als sonst.

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Und wir können Radfahren, auf wenig befahrener Asphaltstraße, aber auch auf Sandstraßen (mit vielen kleinen Stolpersteinen!), die hier ganz normal sind. Und eine Vorbereitung auf Lettland, wo nur 20 % aller Straßen asphaltiert sein sollen. Wir werden auch auf Wege geleitet, die als solche nicht mehr erkennbar sind. Weil wir glauben uns verirrt zu haben, frage ich einen uns hilfsbereit entgegenkommenden Bauern auf seinem Hof, ob wir richtig sind. Er bestätigt es mit Mimik und Gestik. Die Gesten besagen, dass wir zwischendurch schieben müssen, was sich leider bewahrheitet. Für diesen Mann wie für fast alle älteren Litauer ist die erlernte Fremdsprache Russisch, auch in Polen und wahrscheinlich den anderen baltischen Staaten, während fast alle unter 35 Englisch gelernt haben.

 

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Wir haben Glück, es regnet nur dann, wenn wir nicht unterwegs sind. So gehe ich jeden Tag aufs Neue an die Rezeption und verlängere um eine weitere Nacht. Am letzten Tag ist das Wetter sogar richtig schön vom Morgen bis zum Abend. Wir brauchen Brot und noch einiges mehr und fahren ins Nachbardorf zum Dorfladen. Wenn man die Brücke verlässt  und nach links fährt, kommt er nach ca. 3 km im Dorf Ambraziskiai. Der kleine Laden bietet mehr als wir dachten, und die freundliche Frau hinterm Tresen weiß sich auch ohne Englischkenntnisse zu helfen. Wir haben nicht den Eindruck, dass hier viele Touristen einkaufen.

 

Dorfladen in Ambraziskaiai, davor die übliche Holztafel für Mitteilungen aller Art
Dorfladen in Ambraziskaiai, davor die übliche Holztafel für Mitteilungen aller Art

 

Fährt man nach Verlassen der Insel nach rechts, gelangt man in das Dorf Zalvariai. Hier gibt es eine Bar (ganz selten in den kleinen Dörfern), auf deren Terrasse im ersten Stock wir einige Männer sehen mit Flaschen und Gläsern vor sich. Übrigens, Litauen steht in den Statistiken über Alkoholkonsum weltweit mal an erster, mal an dritter Stelle! 

 

Ein Dorf mit gepflegten Häusern und Gärten, immer auch ein Gemüsegarten mit Gewächshaus zum Vorziehen, in denen wir von Kohl über Zwiebeln bis hin zu Paprika und Tomaten alles mögliche sehen. Auch eine Schule gibt es hier noch, nur die kleine rote Holzkirche scheint nicht mehr in Gebrauch zu sein.

 

 

Wie wir es oft gesehen haben in Litauen liegt der Friedhof etwas außerhalb am Waldrand. Schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, entdecken wir etwas versteckt hinter Gebüsch Kreuze in verschiedener Größe neben großen und kleinen Gräbern. Insgesamt sieben sind es. Kein Name, kein Datum. Der Blumenschmuck ist künstlich, die Kerzen sind echt. 

 

An der Rezeption zeige ich der in allen Bereichen kompetenten Chefin meine Fotos davon und frage sie nach dem Ursprung dieser Gräber außerhalb des Friedhofs. "The official version ..." besagt, dass an dieser Stelle ein Haus stand, welches komplett abbrannte. Die Leichen der Bewohner wurden nicht gefunden und konnten demnach nicht bestattet werden, darum habe man diese Gräber ohne Inhalt angelegt. Sie kenne nur diese offizielle Version, und ich ziehe es vor nicht weiter nachzuhaken.

 

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Doch zurück zu den Lebenden. In Litauen können wir den Sommer wieder hören. Es summt und zirpt, Bienen und Hummeln, dicke glänzende Fliegen und wie in Polen auch viele Nester, in denen Klapperstörche ihren Nachwuchs versorgen. Der Schatten: "Unsere" Insel gehört einer niederländischen Holding, die das Gelände außerhalb des Campingplatzes parzelliert hat und stückweise zum Verkauf anbietet. Warten wir's ab, bislang hat sich noch kein Käufer gefunden.

 

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19| Kaunas

 

In Vilnius haben wir etwas über die Besonderheiten des Kreisverkehrs gelernt. Auf dem Weg von dort nach Kaunas staunen wir über die litauische Autobahn mit Bushaltestellen, immerhin auf Buchten neben der Fahrbahn, und sehr vielen Werbetafeln, wann immer sich eine größere Ortschaft nähert. 

Während der Hitzeperiode in Polen hatten wir die Klimaanlage in der Fahrerkabine auf 23 °C eingestellt. Heute schalten wir sie mit der gleichen Temperatur wieder ein, allerdings zum Heizen. Es hat spürbar abgekühlt, der Himmel ist bedeckt, und ab und zu regnet es.

 

Skytech im Kornfeld, ablenkende Werbung neben der Autobahn
Skytech im Kornfeld, ablenkende Werbung neben der Autobahn

 

Der 4-Sterne-Camingplatz "Kaunas-City" ist der Hammer. Nur dass kein Hammer auf die Schädel der Camper trommelt, sondern der starke Verkehr von Autobahn auf der einen und Landstraße auf der anderen Seite. Da haben es die Wohnmobile auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz in der Stadt, in strategisch günstiger Lage zwischen Burg und Altstadt, bestimmt hundert mal leiser. Außer am Wochenende, wenn die Jugendlichen sich dort treffen. 

 

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Manche bezeichnen Kaunas als die heimliche Hauptstadt Litauens, wobei die Stadt vom vergangenen Ruhm als Handels und Diplomatenstadt zehrt. Zur Zeit rüstet sie wieder mächtig auf, weil Kaunas zur europäischen Kulturhauptstadt 2022 ernannt wurde. Baustelle über Baustelle, vor allem die  Prachtstraße Laisvès alèja dieser Tage kaum zu begehen. Die weniger elegante Vilniaus gatve ist auch Fussgängerstraße und sehr belebt mit vielen Cafés, Bars und Restaurants. 

 

Kulturell hat Kaunas wirklich eine Menge zu bieten: 

 

Wahrscheinlich gibt es in den Vororten von Kaunas noch vereinzelte gut erhaltene Holzhäuser, aber was der Besucher von weitem sieht, sind einheitlich graue  Wohnblöcke, wohl aus der Zeit der Sowjetunion. In den sechziger Jahren wurden auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs im schnellen Wohnungsbau wahre Sünden begangen, die man hier wie dort heute versucht zu lindern. 

 

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18| Vilnius

Maggie spiegelt sich im modernen Neubau bei der Einfahrt in die Hauptstadt
Maggie spiegelt sich im modernen Neubau bei der Einfahrt in die Hauptstadt

 

Die Hauptstadt Litauens (2017: 544.000 Einwohner) empfängt uns wie viele Großstädte mit Industriegebieten und Neubauten, wie ich finde sehr modern mit viel Glas und im wahrsten Sinne des Wortes schräger Architektur. Gleich zu Beginn lernen wir die litauische Ampelregelung (vielleicht gültig im ganzen Baltikum). Wenn das Grün blinkt, ist dies schon das Zeichen zum Anhalten, die Vorwarnung auf Gelb und Rot. Und wir lernen, dass Kreisverkehre auch Achterbahnen ähneln können.

 

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Wir übernachten auf einem gemischten städtischen Parkplatz, auf dem zwar keine Plätze extra für Wohnmobile abgeteilt sind, es aber einen besonderen Tarif für sie gibt, 24 Stunden kosten 8 €. Und das für einen sehr ruhigen Übernachtungsplatz direkt an der Vilnia, einem Nebenfluss des Neris. Zwischen den Wohnmobilen sehen wir das Fahrzeug der Familie aus Neuss wieder, die wir in Trakai kennengelernt haben.

 

 

Vom Parkplatz aus sind es nur ein paar hundert Meter zum ehemaligen Palast der Großfürsten, in dem seit mehr als 150 Jahren schon das Nationalmuseum Litauens untergebracht ist. Darüber thront seit dem 14. Jahrhundert die Gediminas-Burg bzw. das, was von ihr übriggebliebene ist, der Eckturm. Als wir den Aufstieg beginnen, kommen uns von oben die Neusser entgegen, mit demselben Stadtplan in der Hand wie wir. Lachende Begrüßung.

 

Nachdem wir schnaufend und schwitzend oben angekommen sind, sehen wir andere Touristen mit einem Aufzug vom Gelände des Nationalmuseums aus schräg nach oben fahren. Nun denn, wir haben uns die tolle Aussicht von oben verdient! 

 

Aber auch innen ist der Turm interessant. In jedem Stockwerk gibt es eine andere Ausstellung aus verschiedenen Jahrhunderten und dargestellt mit unterschiedlichen Methoden/Medien. Am meisten beeindruckt haben uns die Fotos der 600 km langen Menschenkette vom 23. August 1988 von Vilnius über Riga bis Tallinn, als die baltische Bevölkerung genau 15 Minuten in friedlicher Geschlossenheit für den  Austritt aus der Sowjetunion demonstrierte. Bilder, die wir damals gesehen und schon wieder vergessen haben.

 

 

Wir machen denselben Rundgang wie alle anderen auch (womit wir fast zwangsläufig die Familie aus Neuss noch einmal treffen) und sehen die Kathedrale und auch die Synagoge, die gerade renoviert wird, das Rathaus, die alte Universität und das Regierungsgebäude, vor dem eine Schar von Reportern hinter Kameras und Mikrofonen auf wen auch immer warten. 

 

Und wir sehen viele Menschen auf den Straßen und in den Lokalen, ein reges Stadtleben der Bevölkerung, schöne und auch vernachlässigte Innenhöfe, viele kleine Geschäfte und noch nicht ganz so viele Ketten wir andernorts. Die Flanierstraßen gefallen mir mit ihren alten Häusern, sind aber für uns schwer zu fotografieren ohne Weitwinkel.

Und wie immer gibt es vieles was wir nicht gesehen haben, wie z.B. die Markthalle oder das Tor der Morgenröte.

 

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17| Trakai

 

Nicht dass irgendjemand glaubt, Maggie hat das Schwimmen gelernt oder wir haben uns eines von diesen hypermodernen Wohnmobilen mit Schwimmflossen bestellt. Hier hat mal wieder das Navi gesponnen, was vielleicht an möglicher Militärpräsenz in einem Stützpunkt an der Grenze zu Weißrussland liegt. Irgendwann jedenfalls fuhren wir wieder auf der vorgezeichneten Straße und erreichten trockenen Reifens unser Ziel Trakai.

 

Meist ging die Fahrt wieder viele Kilometer schnurgerade durch Wald, mit Bushaltestellen in der Einsamkeit. Wider Erwarten waren kaum Laster unterwegs, dafür kreuzte ein Fuchs in schnellem Lauf die Straße. Unser Stellplatz liegt im Garten eines Privathauses. Der Besitzer spricht drei Worte Deutsch, hilft beim Rangieren, eilt mit dem Stromkabel herbei und nimmt bei Bedarf die WC-Kassette ab. Von einer erhöhten Stelle des Grundstücks zeigt er uns unser Zeil, die Wasserburg. Auf diesem Platz lernen wir eine sympathische vierköpfige Familie aus Ness kennen, die unterwegs ist nach Estland und von dort aus die Fähre nach Stockholm nehmen will. 

 

 

Im Anorak und bewaffnet mit Regenschirm besichtigen wir die Wasserburg, die zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Litauens gehört. Im 14. Jahrhundert erbaut war sie in der Neuzeit verfallen und wurde im 20. Jahrhundert über viele Jahrzehnte auf den wenigen erhaltenen Resten komplett wieder aufgebaut. Allein 3 Reisegruppen aus Spanien treffen wir an, dazu jede Menge Asiaten, Deutsche und natürlich Litauer.

Für mich ist  das Zusammenspiel des Wetters mit dem Wasser um die Burg herum beeindruckend.

 

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Der Ort Trakai ist ein normales modernes Städtchen, aber das alte Dorf mit den Holzhäusern in der Nähe der Burg ist sehenswert. Und dort treffen wir auf der Suche nach einer Bäckerei oder einem Supermarkt diese hübsche junge Litauerin an, die uns an ihrem Stand Brot verkauft und mir erlaubt, das Foto von ihr auf dieser Seite zu zeigen.

 

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16| Druskininkai

 

Zufällig war der erste Ort in Litauen ein Kurort genauso wie der letzte Ort Augustów in Polen. Dazwischen lagen 111 Kilometer auf meist schnurgerader, guter Landstraße mit nur einer (!) Baustelle und keinem einzigen Lastwagen, aber einigen wenigen Wohnmobilen. Erst einen Tag später erfahren wir, dass heute der Nationalfeiertag ist. Wir fuhren durch viel Wald, kamen aber auch an kleinen Dörfern und bewirtschafteten Feldern vorbei. Auch Kühe sahen, kleine Herden von meist 8 bis 12 Stück.

 

Kurze Zeit nach Überqueren der Grenze liegt am Straßenrand rechts die Tourist-Information. Wir trafen einen freundlichen Mann an, der die Frage nach Englischkenntnissen mit "No, Russo" beantwortete. Aber er hatte unsere Maggie am Fenster vorbeifahren sehen und überreichte uns mit breitem Lächeln ein DIN-A-4-Heft mit Campingplätzen in allen drei baltischen Staaten. 

 

Druskininkai öffnet sich uns mit viel Grün, der 4-Sterne-Campingplatz ist leicht zu finden, lang und schmal und

gut organisiert bis zum perfekten Englisch an der Rezeption,

 

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Wie gesagt, es war Nationalfeiertag, und das Städtchen gefüllt mit Besuchern, die auf der Hauptstraße zwischen Ständen mit Kunsthandwerk oder Süßigkeiten flanierten. Es ist eine breite Fußgängerstraße, die an einer Seilbahnstation endet. Eine Seilbahn ohne Berg, sie führt ca. einen Kilometer über den Strom der Memel. An einem Stand kaufen wir von einer rotbäckigen Frau in Tracht Weißbrot und köstlichen Apfelstrudel. Die Frage nach Englisch beantwortet sie genauso freundlich wie der Mann an der Tourist-Information mit "No, Russo". Ist ja auch klar, als die beiden jung waren, gehörte Litauen zur Sowjetunion und in den Schulen wurde als Fremdsprache Russisch gelehrt. 

 

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Durch die ganze Fußgänger-Hauptstraße ziehen sich Keramikskulpturen, die mir sehr gefallen haben. Leider habe ich die Plaketten mit den Namen der einzelnen Künstler nicht fotografiert, aber anschauen kann man sie ja trotzdem. 

 

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Am Sonntag ist Regen angekündigt, aber wir fahren trotzdem mit den Rädern los und haben Glück, bleiben trocken. Wieder fahren wir durch Wald, der lichter ist als der Urwald im polnischen Bialowieza, mit sehr hohen Bäumen, deren Wipfel hoch oben das Licht suchen.

 

Druskininkai liegt an einem See, den wir umrunden, und an der Memel, die die Grenze markiert zwischen Litauen und Russland (ehemals Ostpreußen) und Weissrussland auf der anderen Seite. 

 

Auf über 20 km Fahrt durch den Wald begegnen uns an diese Sonntag nur sehr wenige Spaziergänger und Radfahrer, und trotz sehr guter Beschilderung mit unverwüstlichen Holzplanken verfahren wir uns. Einen Besuch des Grutas-Parks ersparen wir uns wegen des einsetzenden Regens, der sich hartnäckig hält. Den Park mit Skulpturen von Größen der Sowjetunion an ein neureicher Alt-Rotarmist aufgebaut und sich damit selbst ein Denkmal gesetzt.

 

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